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Newsletter Departement des Innern (DDI)
Nr. 3 - Oktober 2019

Liebe Leserinnen und Leser

Im Kanton Solothurn kommt es jährlich zu 1500 registrierten Gewaltstraftaten. Nicht in dieser Statistik enthalten sind die zusätzlichen Straftaten in Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. 2018 registrierte die Kantonspolizei 750 Straftaten und 125 Interventionen als häusliche Gewalt. Wie gross das Problem ist, zeigt der Blick auf die gesamtschweizerischen Zahlen: Jede Woche kommt es in unserem Land zu einem Tötungsversuch und alle zwei Wochen stirbt eine Person als Folge von häuslicher Gewalt. Häusliche Gewalt kommt in allen sozialen Schichten vor und mehrheitlich sind Frauen und Kinder davon betroffen. Zu den polizeilich registrierten und damit sichtbaren Vorfällen kommt eine hohe Dunkelziffer hinzu.

Häusliche Gewalt ist ein Schwerpunkt im vom Departement des Innern ausgearbeiteten und diesen Frühling vom Regierungsrat verabschiedeten Gewaltpräventionsprogramm 2019 – 2022. Es beinhaltet verstärkte Präventionsmassnahmen und Schutz von Gewaltbetroffenen. Im 2019 haben wir u.a. die Notfallbroschüre "Halt Gewalt" zusammen mit den wichtigsten Anlaufstellen realisiert und den 24-Stunden-Eltern-Notruf (0848 35 45 55) eingerichtet. Neben Beratungsangeboten und Schutzunterkünften für Opfer muss wirksamer Opferschutz auch bei jenen Personen ansetzen, die Gewalt ausüben oder befürchten, Gewalt auszuüben. Die Praxis zeigt, dass Täter sich der Problematik oftmals bewusst sind und sich bereit erklären, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Susanne Schaffner, Regierungsrätin

Themen

Beratungsstelle Gewalt eröffnet

Wo Gewalt angewendet wird, gibt es Opfer, Täter und Täterinnen. Neben den bereits existierenden Beratungsstellen für Opfer stellt der Kanton Solothurn neu auch ein kostenloses und anonymes Angebot für Personen, die bereits Gewalt angewendet haben oder befürchten, bald Gewalt anzuwenden, zur Verfügung.

>Homepage der Beratungsstelle Gewalt

>Medienmitteilung

>Kurzer Infotrailer

Aktionstage Psychische Gesundheit

Zwischen 30.10. - 8.11.2019 finden die 11. Aktionstage Psychische Gesundheit im Kanton Solothurn statt. Im Rahmen von Vorträgen, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Begegnungen und Theater sollen Schranken und Vorurteile gegenüber Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung abgebaut werden.

Die Anlässe der Aktionstage sind öffentlich und kostenlos.

>Programm

>Homepage der Aktionstage Psychische Gesundheit

Kantone lancieren Sensibilisierungskampagne zu Spielsucht

In der Schweiz zeigen 192’000 Personen ein risikohaftes Spielverhalten. Dabei gehen Spielende im Onlinebereich ein überdurchschnittlich hohes Risiko ein.

Vor diesem Hintergrund lanciert das interkantonale Programm >Spielen ohne Sucht im Auftrag von 16 Deutschschweizer Kantonen eine digitale Sensibilisierungskampagne. Mit spannenden und leicht ironischen Kurzfilmen sollen die Risiken und das Suchtpotenzial von Online-Glücksspielen aufgezeigt werden.

Kampagnenvideos:

>Suchthilfe Ost

>Perspektive Region Solothurn-Grenchen

>Schuldenberatung Aargau-Solothurn

Woche der Religionen

Im Rahmen der schweizweiten "Woche der Religionen" veranstaltet der "Runde Tisch der Religionen" des Kantons Solothurn seine diesjährige Veranstaltungsreihe. Zwischen dem 26. Oktober und dem 13. November 2019 laden die teilnehmenden Religionsgemeinschaften im ganzen Kanton zu interessanten Veranstaltungen ein.

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Sterbehilfe in Solothurner Alters- und Pflegheimen

Eine Richtlinie des Kantons Solothurn verpflichtet die Alters und Pflegheime dazu, einen Grundsatzentscheid über den Zutritt von Sterbehilfeorganisationen zu treffen.

Eine Umfrage unter den 47 Alters- und Pflegeheimen im Kanton hat nun ergeben, dass momentan 42% der Heime den Sterbehilfeorganisationen den Zutritt gewähren; knapp 47% lehnen dies ab. Bei den restlichen Institutionen steht der Entscheid noch aus oder fehlt bis jetzt eine Rückmeldung.

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Veranstaltungen

04.11. - 13.11.2019: >Impfaktion Saisonale Grippe 2019 für das Staatspersonal und Lehrpersonen, in Solothurn, Breitenbach, Dornach, Olten

30.10. - 08.11.2019: >11. Aktionstage Psychische Gesundheit im Kanton Solothurn.

Nach 30 Jahren verabschiedet sich der Grenchner Schularzt

Hinter der Tür raschelt ein Schlüsselbund. Zuerst leise, dann hektischer und immer lauter. "Ich habe den Schlüssel verlegt, entschuldigen Sie, ich komme gleich!", brummt es mehrmals hinter der Türe hervor. Dann, endlich, öffnet sie sich - und reinspaziert in die Kinderarztpraxis von Thomas Bamberger. Seit 1984 führt er diese in Grenchen; die mit Kinderzeichnungen bepflasterten Wände zeugen von zufriedenen Patient*innen.

Ansonsten ist die Praxis leer, Donnerstagnachmittag ist sie eigentlich geschlossen. Wo wir das Gespräch führen sollen? "Da hinten links, aber warten sie noch kurz im Wartezimmer". Klar, auch der Schreiberling muss sich an den Ablauf einer Kinderarztpraxis halten und setzt sich zwischen Zeichenheften und Plüschtieren auf den viel zu kleinen Stuhl.

Neben seiner Haupttätigkeit als einer von zwei Kinderärzten in Grenchen war Thomas Bamberger bis vor kurzem der Schularzt der Gemeinde. Zudem betreute er die vier Klassen der bernischen Nachbarsgemeinde Leuzingen sowie das sonderpädagogische Zentrum Bachtelen. Woher nimmt ein Mensch die Zeit dafür? "Früher haben wir auch mal 120 Stunden in der Woche gearbeitet, wenn es sein musste", antwortet Bamberger mit wacher Stimme.

Kaum einer weiss also mehr über den schulärztlichen Dienst im Kanton Solothurn. Als er 1989 ins Amt gewählt wurde, war der Schularzt noch eine Art Hochseefischer, der mit seinem Netz allerlei Krankheiten in der Masse der Schüler*innen einfangen sollte. "Damals haben wir die Klassen in Reihen aufgestellt und so untersucht. Das war ineffizient und aufwendig", erinnert sich Bamberger.

Das änderte sich 1998, als der Kanton das neue schulmedizinische Konzept aufgleiste. Die Idee dahinter: Während für individualmedizinische Anliegen, wie etwa die Behandlung einer Grippe, neu der oder die Kinderärzt*in zuständig ist, sorgen sich die Schulärzt*innen um sozialmedizinische Anliegen, etwa Gesundheitserziehung und Beratungen. Der schulärztliche Dienst ist dabei ein rein kommunales Leistungsfeld.

Eine sinnvolle Aufteilung, ist Bamberger überzeugt, schliesslich würden Kinderärzt*innen die Kinder von der Wiege bis ins Erwachsenenalter begleiten. "Sie kennen die Patient*innen am besten und wissen, worauf zu achten ist". Als Schularzt sei er besonders für Notfälle an den Schulen, Lehrerschulungen und die Kontrolle des Gesundheitszustands der Kinder verantwortlich gewesen, erklärt Bamberger weiter. So habe er etwa jedes Jahr die Impfausweise aller Kinder eingefordert und systematisch dokumentiert. "Wir können so viel effizienter Versorgungslücken bei Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen entdecken".

Zur Illustration holt er aus einem dickbepackten Ordner drei farbige Säulendiagramme hervor. Darauf abgebildet sind die Durchimpfungsraten aller Grenchner Grundschüler*innen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: "Wir haben eine höhere Durchimpfungsrate als der Schweizer Durchschnitt", sagt der 67-Jährige stolz. "In meiner ganzen Karriere habe ich überhaupt erst einen Masernfall erlebt – und das Kind kam vom Bucheggberg!", fügt er schmunzelnd an.

Damit Grenchen auch weiterhin so gesund bleibt, braucht es jetzt aber einen neuen Schularzt; seit seinem Rücktritt am 31. Juli 2019 ist die Stelle vakant. "Natürlich ist die Aufgabe nicht sonderlich gut bezahlt", beginnt Bamberger vorsichtig. "Aber wie jeder Job ist auch der Job des Kinderarztes neben viel Befriedigendem in erster Linie Routine: Schnupfen, Halsweh, Brechen, Schnupfen, Halsweh, Brechen". Das Amt des Schularztes sei somit ein wohltuender Ausbruch aus der Alltagsroutine und ein sehr wertvoller Beitrag zur Volksgesundheit.

Diesen Beitrag hat er die vergangenen 30 Jahre geleistet. Zum Abschied zeigt er noch Ferienfotos von einer 4 wöchigen USA-Reise, die mit einer Motorradfahrt von den Black Hills in South Dakota, um die Great Lakes, über Kanada in Boston endete – und macht so die Frage zu den Plänen nach der Pensionierung überflüssig.

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