Europäischer Tag des Denkmals am 8. und 9. September 2007

Solothurn, 4. September 2007 - Der diesjährige europäische Tag des Denkmals am 8. und 9. September 2007 widmet sich dem Thema Holz. Holz ist eine uralte Nutzpflanze und gehört zu den ältesten Baustoffen. In Solothurn können die imposanten Dachwerke der St. Ursenkathedrale und der ehemaligen Franziskanerkirche besichtigt und räumlich erlebt werden. Am Beispiel des hölzernen Chorgestühls in der ehemaligen Franziskanerkirche gibt gleichzeitig ein Restaurator Einblick in seine Arbeit und steht für Auskünfte über seine faszinierende Tätigkeit zur Verfügung. Auf einem geführten Rundgang von Lüsslingen nach Nennigkofen, einem Stadtrundgang in Olten sowie in Führungen durch zwei Häuser des bekannten Schweizer Architekten Franz Füeg in Hessigkofen und Feldbrunnen lassen sich unterschiedliche Gattungen und Aspekte der Holzbaukunst vom 18. bis ins 20. Jahrhundert entdecken.

Dachwerke der St. Ursenkathedrale und der ehemaligen Franziskanerkirche 
Die ehemalige Franziskanerkirche, deren Bausubstanz zu einem grossen Teil ins 13. Jahrhundert zurückreicht, und die 1762-73 errichtete St.Ursenkathedrale - das bedeutendste schweizerische Bauwerk des Frühklassizismus - prägen die Altstadt Solothurns in besonderem Masse. Dies gilt im Speziellen auch für die Dachlandschaft des historischen Ortsbildes.

Der 1425 datierte, doppelt stehende Dachstuhl der ehemaligen Franziskanerkirche sowie das 1768 errichtete liegende Dachwerk der St. Ursenkathedrale beeindrucken durch ihre monumentale Grösse des unaufgeteilten Raumvolumens und ihre sichtbare Zimmermannskonstruktion. Die handwerkliche Könnerschaft der Ausführung sowie der ästhetische Reiz ihrer äusseren Form- und inneren Raumbildung vermögen gleichermassen zu faszinieren. In St. Ursen hat sich zudem ein in den Dachstuhl eingebautes Rad zum Aufzug von Hausteinen erhalten und zeugt heute noch von den Methoden aus der Bauzeit der Kathedrale im 18. Jahrhundert. Am Tag des Denkmals besteht die Gelegenheit diese beiden sonst nicht zugänglichen Dachstühle unter fachkundiger Führung zu besichtigen.

Möbel- und Holzrestaurator an der Arbeit
Das Chorgestühl in der ehemaligen Franziskanerkirche in Solothurn wurde zwischen 1576 und 1580 vom Bildhauer Sebastian Tremp geschaffen und 1994 durch Franz Leimer - ein auf Holz spezialisierter Restaurator - sorgfältig restauriert. Am Beispiel dieses zweiteiligen Chorgestühls mit feinen Renaissancegliederungen gibt Franz Leimer am Tag des Denkmals Einblick in seine Arbeit als Möbel- und Holzrestaurator und steht dem Publikum für Auskünfte über seine faszinierende Tätigkeit zur Verfügung.

Von Lüsslingen nach Nennigkofen
Die Pfarrscheune in Lüsslingen und das Bürgerhaus in Nennigkofen sind zwei qualitätsvolle Bauten, die gleichzeitig als gelungene Beispiele sorgfältiger Umnutzung von ländlicher historischer Architektur gelten. Am Tag des Denkmals bilden sie Anfangs- und Endpunkt eines geführten Spazierganges, auf dem unterschiedliche Gattungen und Aspekte des traditionellen Holzbaus im Bucheggberg entdeckt werden können. Dabei sollen auch spezifisch denkmalpflegerische Fragestellungen in Bezug auf den Holzbau angesprochen werden.
Die Holzbauweise ist in der ländlich geprägten Region des Bucheggbergs noch allgegenwärtig. Sie ist kulturgeschichtlich interessant, weil sie in ihrer regionaltypischen Ausprägung und Verbundenheit mit der Landschaft wirtschaftliche und kulturelle Entwicklungen widerspiegelt.

Holzbauwerke 19./20. Jahrhundert in Olten
Auf einem Stadtrundgang in Olten können drei eindrückliche Holzbauwerke des 19. und frühen 20. Jahrhunderts entdeckt werden: Das Holzlager der Bürgergemeinde Olten, das der Bewirtschaftung der Forstgebiete in der Umgebung der Stadt dient; die 1803 an der Stelle eines älteren Aareübergangs entstandene Holzbrücke; die in Holzbauweise errichteten Anlagen der Hauptwerkstätte der Schweizerischen Centralbahn (Werkhallen, Kantine „Dampfhammer“), die durch neue Fabrikhallen des Industriewerks Olten ersetzt werden sollen.

Privathäuser des Architekten Franz Füeg
Der international bekannte Solothurner Architekt Franz Füeg hat in der näheren und weiteren Umgebung Solothurns zwei Privathäuser errichtet, in denen er den traditionellen Baustoff Holz in modernen Formen und Raumkonzepten umsetzte. Ein besonderes architektonisches Motiv ist dabei die “räumliche Durchdringung”, der frei fliessende Raum. Das 1954-55 erbaute, schön in die Landschaft gesetzte “Haus Aerny” präsentiert sich als langgestreckter, unprätentiöser Holzbau mit querliegendem Anbau. Die Fassadenwände sind teils verputzt, teils mit senkrechten Tannenriemen verkleidet, die ursprünglich rötlich lasiert und später rot gestrichen wurden. Das „Haus Portmann“ in Hessigkofen wurde 1961-63 als schlichter Kubus in Holz und Glas errichtet. Die Grundrisslösung zeigt eine offene Raumgestaltung mit einem Installationskern, der die Nasszonen aufnimmt. Die durch raumhohe Verglasungen erreichte Transparenz des Hauses schafft einen engen Bezug der Innenräume zur Landschaft des Bucheggbergs. Am Tag des Denkmals bietet sich die Gelegenheit die beiden Privathäuser unter fachkundiger Führung zu besichtigen.

Fotos: www.staatskanzlei.so.ch/bildarchiv