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UNESCO-Jubiläum: Ein Kulturschatz schlummert im Inkwilersee

  • 13.07.2021

Seit zehn Jahren gehört die archäologische Fundstelle auf der grösseren der beiden Inseln im Inkwilersee zum UNESCO-Weltkulturerbe. Anlässlich des Jubiläumsjahres wurde nun auf dem Gemeindegebiet von Bolken in der Nähe des Sees eine Informationstafel aufgestellt. Sie soll Besucherinnen und Besucher auf eine Fundstätte hinweisen, die selbst nicht sichtbar und nicht zugänglich ist.

Vor zehn Jahren am 27. Juni 2011 wurden die «Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen» offiziell in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen: 111 archäologische Fundstellen in Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich, Slowenien und der Schweiz stehen dabei stellvertretend für über 1000 bekannte Pfahlbaufundstellen aus der Jungsteinzeit und Bronzezeit.

Einblicke in das Leben der ersten Bauern
Diese besonderen archäologischen Fundstellen liegen an kleinen und grossen Seen oder auch in (ehemaligen) Mooren im Alpenvorland. Im nassen Boden unter Luftabschluss haben die organischen Materialien wie Knochen, Holz, Textilien und Pflanzenreste mehrere Jahrtausende überdauert und sind daher aussergewöhnlich gut konserviert. Dies führt zu einem einmaligen und überraschend lebendigen Einblick in das Leben der ersten Bauern in der Zeit zwischen 5000 und 800 v. Chr. Das UNESCO-Label unterstreicht diese herausragende Bedeutung der Pfahlbausiedlungen für die Erforschung der frühen Bauerngesellschaften in Europa.

Die Insel im Inkwilersee – Heimat der «Pfahlbauer»
Die rund 900 Quadratmeter grosse Insel befindet sich genau in der Mitte des Sees und damit genau auf der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Bern. Archäologische Überreste wurden erstmals 1854 nur wenige Monate nach der Entdeckung der ersten Pfahlbauten am Zürichsee entdeckt. In den folgenden Jahrzehnten war die Insel immer wieder Ziel von kleineren Untersuchungen, grossflächige Ausgrabungen blieben jedoch aus.

Die letzten Sondierungen fanden 1946 statt. Gefunden wurden Eichenpfähle und quer aufeinanderliegende Tannenhölzer, die einen Holzrost bildeten. In den darüber gelegenen Schichten kamen Scherben von Kochtöpfen und Essgeschirr sowie Steinwerkzeuge, Geweih und Knochen von Haus- und Wildtieren zum Vorschein. Sie stammen von zwei Dörfern aus der Jungsteinzeit (4. und 3. Jahrtausend v. Chr.) und einem aus der Spätbronzezeit (um 1000 v. Chr.).

Seit 2007 führt die Kantonsarchäologie in unregelmässigen Abständen Tauchuntersuchungen in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Dienst Bern durch. Dabei kam auch ein einzigartiges bronzezeitliches Holzschwert in der Nähe der Insel zum Vorschein.
 

Infotafel

Informationstafel UNESCO-Weltkulturerbe am Inkwilersee.

Zeichnung bronzezeitliches Dorf

Bronzezeitliches Dorf auf der Insel im Inkwilersee. Illustration: Benoît Clarys, Désaignes F.

Holzschwert

Rund 3000 Jahre altes Holzschwert aus dem Inkwilersee. Zu sehen im Pächterhaus Museum Blumenstein, Solothurn.