Extended Spectrum-Beta-Lactamase Enterobakterien

Extended Spectrum-Beta-Lactamase (ESBL)-produzierende Enterobakterien können im Darm von Mensch und Tier vorkommen. Sie sind resistent gegen viele Vertreter der sogenannten Beta-Laktam-Antibiotika (z.B. Penicilline), zu denen auch die Cephalosporine der 3. und 4 Generation gehören. Häufig tragen ESBL-produzierende Enterobakterien auch noch weitere Resistenzgene gegen andere Antibiotikaklassen. ESBL-produzierende Bakterien können harmlose Besiedler sein («Kolonisation»), aber auch schwerwiegende Infektionen verursachen, welche aufgrund ihrer Antibiotikaresistenz schwierig zu behandeln sind.

Häufige Vertreter der Enterobakterien sind Escheria coli und Klebsiella spp. und die meisten sind harmlose Darmbewohner, die keine Krankheiten verursachen (sogenannte Besiedlung oder Kolonisation). Unter gewissen Umständen können solche ESBL-produzierende Darmbakterien aber Infektionen verursachen und Krankheiten auslösen, beispielsweise Harnblasen- oder Darmentzündungen. Wird die Infektion verursacht durch einen ESBL-produzierenden Erreger, dann ist diese aufgrund ihrer Antibiotikaresistenz schwieriger zu behandeln. ESBL-produzierende Erreger können von Mensch zu Mensch übertragen werden, insbesondere in Spitälern und anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens. ESBL-produzierende Bakterien werden durch direkten Körperkontakt übertragen, am häufigsten geschieht dies über die Hände. Zunehmend werden solche multiresistenten Erreger auch bei Reisen nach einem Ferienaufenthalt im Ausland importiert.

Die Beobachtung der Resistenzlage in der Schweiz zeigt, dass im Fall von Escherichia coli – ein häufiger Verursacher von Blasenentzündungen – die Resistenz gegen Fluorchinolone (eine oft verwendete Antibiotika-Klasse) sowie gegen eine Klasse von Breitband-Antibiotika (Cephalosporine der 3. und 4. Generation) zugenommen hat. Im Fall von Klebsiella pneumoniae, die die Harn- und Atemwegs-Infektionen verursachen können, hat die Resistenz bis 2014 ebenfalls deutlich zugenommen, es scheint jedoch bei dieser Bakterien-Gruppe in den letzten drei Jahren zu einer Trendwende gekommen zu sein.

Eine Besiedelung oder Infektion mit ESBL-produzierenden Bakterien betrifft vorwiegend Patienten in Spitälern und anderen Gesundheitsinstitutionen (z.B. Alters- und Pflegeheime). Ein erhöhtes Risiko haben Patienten mit einem der folgenden Faktoren: chronisches Grundleiden, starke Pflegebedürftigkeit, geschwächtes Immunsystem, Hautwunden, Urinkatheter, Tracheostoma und künstliche Beatmung, vor allem aber auch wiederholte und/oder langdauernde Behandlungen mit Antibiotika. Solche Risikopatienten können sehr lange (Monate bis Jahre) Träger von ESBL-produzierenden Bakterien bleiben.