Ambulant vor stationär

Mit der gezielten Förderung von Behandlungen, die sich aus medizinischer Sicht ohne Nachteile ambulant statt stationär durchführen lassen, kann sowohl dem verbreiteten Patientenbedürfnis Rechnung getragen werden, einen unnötigen stationären Spitalaufenthalt zu vermeiden, als auch der Forderung, die Gesundheitskosten mit konkreten Massnahmen spürbar zu senken.

Das Gesundheitsamt hat in Abstimmung mit weiteren Kantonen Untersuchungen und Behandlungen bestimmt, die grundsätzlich nur noch ambulant durchzuführen sind. In diesen Fällen beteiligt sich der Kanton lediglich dann an den Kosten der stationären Durchführung, wenn besondere Umstände eine stationäre Durchführung erfordern. Diese liegen insbesondere vor, wenn

  • die Patientin oder der Patient besonders schwer erkrankt ist oder an einer schweren Begleiterkrankung leidet,
  • die Patientin oder der Patient einer besonderen Behandlung oder Betreuung bedarf,
  • besondere soziale Umstände vorliegen.

Umsetzung ambulant vor stationär im Kanton Solothurn

Im Kanton Solothurn gilt seit 1. Januar 2020 eine Liste mit 16 Eingriffskategorien (16er-Liste), welche die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und –direktoren (GDK) den Kantonen bei der Umsetzung „ambulant vor stationär“ empfohlen hat und welche sich an der 16er-Liste der Kantone Luzern und Zürich orientiert. Es weisen somit 11 Kantone die gleiche Eingriffs-Liste auf wie der Kanton Solothurn (vgl. RRB Nr. 2019/2016 vom 17. Dezember 2019).

Die 16er-Liste setzt sich aus 7 Eingriffskategorien des Bundes (gemäss Art. 3c und Anhang 1a Krankenpflege-Leistungsverordnung, KLV; SR 832.112.31) und aus 9 Eingriffskategorien des Kantons (gemäss § 5quinquies Abs. 1 Spitalgesetz vom 12. Mai 2004; BGS 817.11) zusammen.

Die Untersuchungen und Behandlungen dieser 16er-Liste sind grundsätzlich ambulant durchzuführen (vgl. Liste ambulant durchzuführender Untersuchungen und Behandlungen [CHOP] und Liste ambulant durchzuführender Untersuchungen und Behandlungen [DRG]).

Rechnungskontrolle

Das Gesundheitsamt überprüft «ambulant vor stationär» anhand der Spitalrechnungen (vgl. Rechnungskontrolle). Vor der Behandlung gestellte Kostengutsprachegesuche werden in der Regel nicht bearbeitet. Solche vorgängig gestellten Kostengutsprachegesuche sind begrenzt sinnvoll, weil nur die Gesamtbeurteilung der Situation des einzelnen Patienten eine stationäre Behandlung rechtfertigen kann (Behandlung an und für sich und/oder Problemsituationen nach der Behandlung).

Das Formular "Kriterienblatt“ beinhaltet mögliche Ausnahmekriterien, die nach einem Listeneingriff einen stationären Aufenthalt notwendig machen können (vgl. Ausnahmekriterien Bund Anhang 1a Art. 3c KLV). Das ausgefüllte Formular "Kriterienblatt“ kann dem Gesundheitsamt mit der Rechnungsstellung als pdf gemailt werden (gesundheit.kogu@ddi.so.ch). Sämtliche Angaben müssen vollständig, nachvollziehbar und auf Nachfrage hin belegbar sein. Rechnungen ohne Begründung werden zurückgewiesen.

Das "Kriterienraster" ist eine Orientierungshilfe für Leistungserbringer beim Entscheid, ob eine Behandlung stationär abgerechnet werden kann.