Mino und die Kinderräuber

Mino und die Kinderräuber von Franco Supino. Baeschlin Verlag, 2019

Lesetipp Belletristik

Franco Supino, Iris Wolfermann (Illustrationen): Mino und die Kinderräuber. Glarus: Baeschlin, 2019. ISBN 978-3-85546-350-3

«Abenteuergeschichten» ist das neue Thema in der Schule. Selma, Drago und Chiara sind in einer Gruppe und haben den Auftrag, sich eine spannende, tolle Geschichte auszudenken. Chiara hat die zündende Idee für ihre Aufgabe. Sie erinnert sich an Begebenheiten, die ihr verstorbener Grossvater Nonno ab und zu erwähnt hatte. Sie handelten von seiner Kindheit und erzählten von einem Jungen, der fast von einem Kinderräuber entführt wurde.

Chiara, Selma und Drago nutzen ihre Phantasie und versetzen sich kurzerhand selber als Hauptdarsteller in ein Abenteuer, das in einer Zeit spielt, in der Nonno noch ein Kind ist, ein schrecklicher Krieg wütet und die Menschen von Armut und Hunger geplagt sind. Mit diesem Erzählkniff gelingt es Franco Supino leichthändig eine kluge, warmherzige und packende Geschichte zu erzählen, die einfühlsam vom zweiten Weltkrieg, von den materiellen Nöten und der Angst vor Gewalt im südlichen Italien berichtet.

Wenn Grosseltern und Enkelkinder sich begegnen, begegnen sich Menschen, die jeweils eine völlig andere Kindheit erlebt haben beziehungsweise erleben (wie bei Nonno und Chiara). Supino zeigt, dass es für Kinder wichtig ist, etwas über das Leben ihrer Vorfahren zu wissen. Denn wer seine Wurzeln kennt ist stark und gut für die Herausforderungen des Lebens gerüstet. Das Buch endet mit einem erläuternden Nachwort des Generationenforschers François Höpflinger, der die Wichtigkeit familiärer Bindungen durch gemeinsames Erzählen hervorhebt.

Eine gelungene Abenteuergeschichte, die sich für Mut, Toleranz und Zusammenhalt stark macht.

Roman. Ab 8 Jahren.