Armutsmonitoring Kanton Solothurn
Mit dem erstmals durchgeführten Armutsmonitoring liegen umfassende, bis auf die Gemeinden reichende Kennzahlen zur Armut im Kanton Solothurn vor. Das Modell der Berner Fachhochschule (BFH) und der Caritas Schweiz verknüpft kantonale Steuerdaten mit weiteren administrativen Daten sowie mit Bevölkerungs- und Wohndaten. Es schliesst eine Datenlücke, da die Zahlen des Bundes nicht auf Kantonsebene übertragbar sind.
Die erste Durchführung bezieht sich auf das Datenjahr 2022 und umfasst die ständige Wohnbevölkerung in Privathaushalten (rund 280'000 Personen). Sie ist als Pilot angelegt und soll künftig periodisch fortgeführt werden.
Kurz erklärt: Wie wird Armut gemessen?
Absolute Armut – Als arm gilt, wer mit seinem Einkommen den grundlegenden Lebensbedarf nicht decken kann. Massstab ist das soziale Existenzminimum gemäss SKOS-Richtlinien (entspricht der nationalen Armutsstatistik).
Armutsgefährdung – Ein relatives Mass: Haushalte mit weniger als 60 % des mittleren Einkommens (entspricht dem EUROSTAT-Indikator).
Armut unter Einbezug finanzieller Reserven – Zusätzlich wird vorhandenes Vermögen angerechnet; die Quote fällt dadurch tiefer aus, besonders im Rentenalter.
Nichtbezug von Sozialhilfe – Der Anteil der Personen, die trotz rechnerischem Anspruch keine Sozialhilfe beziehen.
Armut betrifft alle Lebensphasen
Am häufigsten armutsgefährdet sind Kinder und Personen ab 65 Jahren. Bei den Betagten fällt die absolute Armut jedoch deutlich tiefer aus, sobald finanzielle Reserven (Vermögen) einbezogen werden – ein Teil dieser Gruppe kann auf Erspartes zurückgreifen.
Armut ist im ganzen Kanton verbreitet – aber sehr unterschiedlich
Armut beschränkt sich nicht auf einzelne Brennpunkte, sondern kommt in fast allen Gemeinden vor. Am Wohnort bleiben die Betroffenen jedoch meist eine Minderheit, weshalb Armut lokal oft wenig sichtbar ist. Die meisten armutsbetroffenen Personen leben in den Städten Olten, Grenchen und Solothurn. Die höchsten Armutsquoten zeigen sich dagegen teilweise in kleineren Gemeinden ausserhalb der Zentren. Städte brauchen deshalb wegen der Fallzahlen starke Unterstützungsstrukturen, kleinere und ländliche Gemeinden besondere Aufmerksamkeit für Anonymität, Information und den Zugang zu Angeboten.
Wer trägt das grösste Risiko?
Entscheidend ist fast immer die Erwerbsbeteiligung im Haushalt. Das höchste Risiko tragen Einelternhaushalte – gut jeder vierte ist armutsgefährdet; sie werden überwiegend von Frauen geführt. Haushalte mit zwei Erwerbseinkommen weisen dagegen deutlich tiefere Quoten auf.
Weitere zentrale Befunde:
- Armut trotz Arbeit: Die Working-Poor-Quote liegt bei 7,8 % – Erwerbstätigkeit schützt vor Armut, reicht aber nicht immer.
- Wirkung von Sozialleistungen: Bedarfsleistungen und private Transfers reduzieren die Armut um mehr als die Hälfte – ohne sie läge die absolute Armutsquote der Erwerbsbevölkerung über 8,3 %, mit ihnen bei 3,6 %.
- Verdeckte Armut: Je nach Schätzung beziehen 31 bis 46 % der anspruchsberechtigten armutsbetroffenen Personen im Erwerbsalter keine Sozialhilfe.
- Wohnen: Für einkommensschwache Haushalte übersteigen die Wohnkosten den Richtwert von 30 % des Einkommens deutlich; Wohnungsabbrüche und Ersatzneubauten können armutsbetroffene Haushalte verdrängen.
Was aus den Ergebnissen folgt
Der Bericht nennt vier zentrale Handlungsfelder: den Zugang zu Bedarfsleistungen (insbesondere Sozialhilfe und Familien-Ergänzungsleistungen) verbessern; Familien- und Kinderarmut prioritär behandeln; Wohnkosten und Verdrängungsrisiken stärker in die Armutspolitik integrieren; sowie Armut trotz Erwerbstätigkeit systematisch beobachten.
Lesehinweis
Die Quoten sind als untere Grenze zu verstehen – Asylsuchende, Sans-Papiers oder obdachlose Personen sind nicht oder nur teilweise erfasst. Je nach Auswertung unterscheidet sich die Grundgesamtheit (ganze Wohnbevölkerung, Personen nach Haushaltstyp, Bevölkerung im Erwerbsalter); Werte verschiedener Auswertungen sind deshalb nicht eins zu eins vergleichbar.
Bericht und weitere Informationen
Den vollständigen Bericht und den Kurzbericht sowie weitere Informationen zur Armutsprävention finden Sie beim Amt für Gesellschaft und Soziales.
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Solothurn