Verbesserung der Luftqualität

Verbesserung der Luftqualität

Die Qualität unserer Atemluft hat sich in den letzten Jahrzehnten laufend verbessert. Die «rauchenden Schlote» und der auffällige Geruch von Fahrzeugabgasen, früher Sinnbild von schlechter Luft, sind schon vor längerer Zeit aus unserem Alltag verschwunden. Aber müssen wir uns um die Luftqualität nun gar keine Sorgen mehr machen? Braucht es trotz der Erfolge weitere Anstrengungen zur Vermeidung oder Verminderung von Emissionen? Wo bestehen noch gesundheitliche Risiken durch zu hohe Schadstoffkonzentrationen?

Luftverschmutzung

Von Luftverunreinigungen, zusammengefasst auch als Luftverschmutzung bezeichnet, wird gesprochen, wenn die Zusammensetzung unserer Umgebungsluft nicht dem natürlichen Zustand entspricht. Luftverunreinigungen sind also vom Menschen verursacht. Ihre Bestandteile, Gase oder Partikel, werden allgemein Luftschadstoffe, oder einfach nur Schadstoffe, genannt. 

Die Industrialisierung führte im 19. Jahrhundert in den grossen Städten und Industriegebieten zu einer immer schlechteren Luftqualität. Mit dem Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die Luftverschmutzung, nicht zuletzt durch die rasante Verbreitung des Autos, massiv zu. Die schädlichen Auswirkungen wurden immer offensichtlicher, so dass sich Parlament und Verwaltung ab etwa den 60erJahren vermehrt dieser Probleme annehmen mussten. Die Bekämpfung der Luftverschmutzung mit dem Ziel, eine für Mensch und Umwelt unbedenkliche Luftqualität zu erreichen, wird seit diesen Zeiten Luftreinhaltung genannt. Der Auftrag, den Menschen und die Umwelt vor schädlichen und lästigen Einwirkungen zu schützen, wurde in den 70er-Jahren in der Bundesverfassung verankert. Ab den 80er-Jahren folgte schliesslich die konkrete Umsetzung mit dem Umweltschutzgesetz, der Luftreinhalte-Verordnung und zahlreichen weiteren Gesetzen und Verordnungen.

Die Freisetzung von Luftverunreinigungen in die Atmosphäre – beispielsweise über einen Kamin oder den Auspuff eines Fahrzeugs – wird als Emission bezeichnet. Einmal dem freien Spiel von Wind und Wetter und chemischen Umwandlungen in der Umgebungsluft unterworfen, breiten sich die Luftverunreinigungen über kürzere oder längere Distanzen aus, was Transmission genannt wird. Treffen sie schliesslich auf Menschen, Tiere, Vegetation oder Gebäude, können sie bei diesen ihre schädliche Wirkung entfalten. Die Luftverunreinigungen, denen Mensch und Umwelt ausgesetzt sind, heissen Immissionen. 

In die Luft werden Hunderte von verschiedenen Luftschadstoffen freigesetzt. Als problematisch erwiesen sich vor allem die Emissionen von Stickoxiden, Feinstaub, leichtflüchtigen organischen Verbindungen (zusammenfassend VOC genannt) und Ammoniak. Stickoxide entstehen durch Verbrennung von Brenn- und Treibstoffen. Auch Feinstaub wird bei der Verbrennung erzeugt, zudem tragen auch Abrieb und Aufwirbelung massgeblich zu den Feinstaubemissionen bei. Die VOC stammen hauptsächlich von verdunstenden Stoffen wie Lösemittel und Benzin. Ammoniak wird zum allergrössten Teil durch die landwirtschaftliche Tierhaltung verursacht. Die wichtigsten Quellen von Luftschadstoffen sind deshalb der Verkehr, Feuerungsanlagen, industrielle und gewerbliche Anlagen, Haushalte und die Landwirtschaft. 

Überwachung der Luftqualität im Kanton Solothurn

Die Luftreinhalte-Verordnung verpflichtet die Kantone, «den Stand und die Entwicklung der Luftverunreinigung auf ihrem Gebiet» zu überwachen. Sie müssen «insbesondere das Ausmass der Immissionen» ermitteln, wozu sie Erhebungen, Messungen und Ausbreitungsrechnungen nach Empfehlungen des Bundes durchführen sollen. Mit der Immissionsüberwachung ist im Kanton Solothurn das Amt für Umwelt (AfU) betraut.

Zur Immissionsüberwachung betreibt das AfU fünf automatisch messende Stationen sowie eine grössere Anzahl weiterer Messungen, sogenannter Passivsammler. Gemessen werden dabei die Immissionskonzentrationen von Stickstoffdioxid, Ozon und Feinstaub. Die Daten der automatischen Messstationen werden laufend im Internet publiziert (www.luftqualitaet.ch). Dafür hat sich Solothurn mit den umliegenden Kantonen zusammengeschlossen.

Weitere Tätigkeiten des Amts für Umwelt bezüglich Luftreinhaltung

Neben den bereits erwähnten Immissionsmessungen ist das Amt für Umwelt in seiner Funktion als Vollzugsbehörde auch bestrebt, die Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren. Dazu werden die wichtigsten potenziellen Quellen von Luftschadstoffen im Kanton periodisch kontrolliert und wo nötig Massnahmen angeordnet, um die Grenzwerte der Luftreinhalte-Verordnung einzuhalten. Diese periodischen Messungen beinhalten insbesondere Anlagen von Industrie und Gewerbe, von Öl-, Gas- und Holzfeuerungen sowie die Überprüfung von Partikelfiltern bei Baumaschinen. Für die ebenfalls sehr wichtige Kontrolle der übrigen Motorfahrzeuge ist hingegen die Motorfahrzeugkontrolle (MFK) zuständig.

Stand heute und Ausblick

Mit den ab den 80er-Jahren erlassenen gesetzlichen Vorschriften und den eingeleiteten Massnahmen konnten die bis dahin sehr stark angestiegenen Emissionen schrittweise vermindert werden. Besonders wirksam waren die Entschwefelung der Brenn- und Treibstoffe, die Einführung des Katalysators für Benzinmotoren, die Einführung der LowNOX-Technologie für Feuerungen, Abgasreinigungen bei industriellen Anlagen, die kontinuierliche Verschärfung der Abgasvorschriften für Motorfahrzeuge und die Partikelfilter für schwere Maschinen. Die Emissionen der Stickoxide nahmen dadurch gegenüber den Spitzenwerten um mehr als zwei Drittel ab, bei den VOC war der anteilmässige Rückgang sogar noch grösser. Beim Feinstaub führte der Aktionsplan des Bundes von 2006 in den letzten Jahren zu deutlichen Verminderungen der Emissionen. Beim Ammoniak dagegen gibt es bisher nur bescheidene Anstrengungen zur Emissionsminderung.

Weitere grosse Schritte zur Verbesserung der Luftqualität wird es wohl absehbar nicht mehr geben. Trotzdem bleiben Herausforderungen bestehen, insbesondere bei Feinstaub (PM10 und PM2.5) und Stickstoffdioxid (NO2), vor allem in städtischen Gebieten und während der Wintermonate. Auch trotz der erzielten Verbesserungen hinsichtlich der Ozonbelastung werden die Grenzwerte im Sommer immer noch regelmässig überschritten. Zukünftige Massnahmen und Trends werden sich somit voraussichtlich auf die Reduzierung von Emissionen aus Verkehr, Holzfeuerungen, Industrie und Landwirtschaft konzentrieren, wobei auch eine Verschärfung von Grenzwerten durch die Angleichung an WHO-Richtwerte erfolgen dürfte. So können die Reduktionsziele gemäss Luftreinhaltekonzepts des Bundes zum nachhaltigen Schutz der Ökosysteme (Stichwort Critical Loads) erreicht werden. Zudem kommen immer wieder neue Schadstoffe in den Fokus, für welche es zurzeit noch keine Grenzwerte gibt.

Die Luftreinhaltung bleibt also eine spannende Herausforderung.

Weitergehende Informationen finden Sie im Datenportal. Insbesondere verweisen wir auf folgende Berichte: