Solothurnische Kantonsgeschichte – Arbeiten sind auf Kurs
03.04.2007 - Solothurn - Der Regierungsrat hat vom Stand der Arbeiten an der solothurnischen Kantonsgeschichte, insbesondere der planmässigen Entwicklung des Bandes über das 19. Jahrhundert und die Lancierung der beiden Teilbände VI. und V.2 über das 20. Jahrhundert, Kenntnis genommen.
Seit 2005 ist ein Team von acht Historikern damit beschäftigt, den Ergänzungsband zum 1992 erschienenen Teilband IV.1 der "Geschichte des Kantons Solothurn 1831 – 1914" zu erarbeiten. Nachdem im ersten Jahr die Quellenlage gesichtet und die Disposition für Teilband IV.2 vorgelegt wurde, sind 2006 die ersten Manuskripte zu den umfangreichen Kapiteln Landschaft und Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr, Gesellschaft und Kultur verfasst worden. Zur Zeit liegt bereits die Hälfte der Autorentexte vor, und wenn sich das Teilprojekt 19. Jahrhundert wie bisher nach Plan entwickelt, wird 2009 mit Band IV.2 ein Werk erscheinen, das eine Übersicht über den grossen Wandel Solothurns vom Agrar- zu einem der führenden Industriekantone darstellt. Damit wird eine seit langem bestehende Lücke in der solothurnischen Geschichtsschreibung geschlossen. Der neue Band wird jenem von 1992 zwar gleichen, aber er kommt mit einer behutsamen Anpassung des Layouts und mit mehr Illustrationen daher.
Zunächst gilt es, sich wie beim Teilband über das 19. Jahrhundert der Grundlagen für die kommende Arbeit anzunehmen. Hier stehen allerdings zwei Hürden an: Erstens hat der Kanton selber bei Historikern bezüglich des 20. Jahrhunderts erst wenig Interesse gefunden. Wohl liegen einige aktuellere Forschungen vor, aber sie konzentrieren sich entweder auf ein enges Thema, oder sie sind regional ausgerichtet. Die Autoren werden sich also nur beschränkt auf vorhandene wissenschaftliche Literatur stützen können. Zweitens kommt die schwierige Quellenlage dazu. Es fehlen gerade im 20. Jahrhundert mit seiner immensen Vervielfältigungstechnik wichtige Aktenbestände (auch staatliche) im Staatsarchiv, und vieles schlummert dort unerschlossen im Archivkeller. Dem ist Rechnung zu tragen: Für die Projektierung wird mehr Zeit eingeräumt; die Detaildisposition für das 20. Jahrhundert soll erst Ende 2008 vorliegen. Auch ist der zeitliche Horizont für das Erscheinen der beiden Bände grosszügiger angelegt als bei Teilband IV.2: Sie sind für 2014 vorgesehen. Natürlich wird man auch andere Methoden anwenden wie die Befragung von Zeitzeugen (Oral History) oder vermehrt pirvate Archive einbeziehen, was gerade für die jüngste Vergangenheit wichtig ist.
Eine Fachtagung, die für Ende des laufenden Jahres geplant ist, wird sich der Chancen und Herausforderungen einer regionalen bzw. kantonalen Geschichtsschreibung des 20. Jahrhunderts annehmen.