Schloss Waldegg - Brasilianisch-solothurnisches Begegnungsfest

Solothurn, 20. Juni 2007 - Das diesjährige Begegnungsfest von Donnerstag, 28. Juni 2007 auf Schloss Waldegg in Feldbrunnen – St. Niklaus steht ganz im Zeichen südamerikanischer Lebensfreude. Gleichzeitig soll das Fest durch die Begegnung mit den Nachfahren ausgewanderter Schweizer, darunter zahlreiche Solothurner nach Brasilien, an die eigene Aus- und Einwanderungsgeschichte erinnern. Zum Fest des Begegnungszentrums Schloss Waldegg und der «Association Fribourg – Nova Friburgo» sowie der Kantone Solothurn und Freiburg sind alle herzlich eingeladen.


Nova Friburgo, eine Schweizer Kolonie in Brasilien

Nova Friburgo ist heute eine Stadt mit rund 200'000 Einwohnern. Sie wurde vor bald 200 Jahren von Schweizern aus verschiedenen Kantonen gegründet und hat vor allem wirtschaftlich eine wechselvolle Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich. Nova Friburgo liegt rund 140 km von Rio de Janeiro entfernt auf etwa 800 m über Meer.

Salsa für die Ohren und Salsa für den Gaumen

Im Rahmen dieser wiederauflebenden Kontakte mit den Nachfahren der ausgewanderten Landsleute hat das Solothurner Begegnungszentrum Schloss Waldegg das Begegnungsfest 2007 vom Donnerstag, 28. Juni, ganz unter das Thema Nova Friburgo und Südamerika gestellt. Am Fest werden typische Musik- und Tanzdarbietungen zu hören und sehen sein; zudem werden kulinarische Köstlichkeiten aus Brasilien und der Schweiz für exotische und vertraute Gaumenfreuden sorgen.

Silvana Gym aus Nova Friburgo

Tropical Feeling pur vermitteln die rund 30 Tänzerinnen und Tänzer der Gruppe «Silvana Gym» aus Nova Friburgo mit heissen Latinoklängen, Sambatänzen, akrobatischen Showeinlagen und dem brasilianischen Nationalkampfsport Capoeira. Dieser entstand vor ca. 300 Jahren zur Zeit der Sklaverei und ist eng mit dem Widerstand der schwarzen Sklaven Brasiliens verbunden. Die Mitglieder der Gruppe werden in mehreren Showblöcken mit farbenprächtigen Kostümen und bunt leuchtendem Federschmuck auf der Bühne im Festzelt auftreten. So können sich die Besucher auf Schloss Waldegg wie auf der Copacabana fühlen und das Gefühl überschäumender lateinamerikanischer Lebensfreude geniessen.

Acuarela – Ritmo Latinoamericano

Unter dem Namen Acuarela hat sich eine Gruppe von Musikern aus Peru und Chile zusammengeschlossen, die schon seit einHintergrundinformationenigen Jahren in den Regionen Solothurn, Bern und Neuchâtel leben. Die Gruppe will mit ihren Rhythmen und ihrer Musik – vor allem Salsa, Cumbia und Merengue – einen Ausschnitt aus der südamerikanischen Kultur ausdrücken und verbreiten. Dazu treten sie immer wieder an verschiedensten Anlässen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland auf.

Fotos abrufbar unter: www.staatskanzlei.so.ch/bildarchiv


Hintergrundinformationen

Schwere Zeiten

Der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien 1815 führte zu einer weltweiten ökologi­schen Katastrophe: In Europa war die Sonne nicht mehr zu sehen, und die Vegetation verkümmerte, was zu Hungernot und Wirtschaftskrise führte. Um dem Elend zu entkommen, blieb vielen Menschen nur die Auswanderung als «Wirtschaftsflüchtlinge» in die Neue Welt.

Der Kanton Freiburg verhandelte mit dem König von Portugal über die Gründung einer Schweizer Kolonie in Brasilien. Der Vertrag vom 11. Mai 1818 sah die Ansiedlung der Schweizer in den Bergen bei Rio de Janeiro vor, wo sie Vieh züchten und Käse herstellen sollten. Im November 1818 bot Konsul Brémond mehreren Kantonen das «brasilianische Glück» an. Die Solothurner Regierung beschloss, bei diesem Auswan­derungsprojekt mitzumachen. An der Gründung der brasilianischen Kolonie waren schliesslich 118 Personen aus Solothurn beteiligt. Sie trugen Namen wie Heggendorn, Jäggi, Jecker, Meyer, Mertz, Moser oder Wehrli.

Schiff ahoi! – der Tod fährt mit

Im Sommer 1819 starteten die Auswanderer auf sieben Schiffen zur Überquerung des Atlantiks. Der Tod war allgegenwärtig auf der Reise: Insgesamt starben 510 Menschen, das heisst jeder vierte.

Am 17. April 1820 wurde das Neue Freiburg offiziell eingeweiht. In den folgenden Monaten rodeten die Siedler den Wald, um Weiden zu schaffen. Allerdings gaben viele die Milch- und Käseproduktion nach kurzer Zeit auf und stellten auf Kaffeeanbau um.

Nova Friburgo und die Schweiz verloren sich mehr als 150 Jahre lang aus den Augen. Heute ist es erklärtes Ziel des Vereins «Association Fribourg – Nova Friburgo», die freundschaftlichen Beziehungen mit den brasilianischen «Vettern und Kusinen» auf verschiedenen Ebenen und mit gegenseitigen Besuchen zu pflegen und den Kontakt nicht mehr abreissen zu lassen.

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