Kanton startet Kampagne zur Gewaltprävention
Solothurn, 6. Juli 2007 – Die vom Regierungsrat beschlossene Kampagne gegen Gewalt startet am Montag, 9. Juli 2007 mit einer breit angelegten Plakatkampagne und der Aufschaltung der Website www.so-gegen-gewalt.ch. In einem ersten Schwerpunkt soll damit zu mehr Zivilcourage aufgerufen werden.
An jedem Tag ist die Ausübung von Gewalt ein Thema der Medienberichterstattung. Darunter finden sich auch Meldungen zur Jugendgewalt. Während bei Interventions- und Repressionsmassnahmen oft gesellschaftliche Mehrheiten zu finden sind, sind die Meinungen über das wirksame Vorgehen zur Prävention kontrovers. Vergessen wird mitunter auch, dass der weit überwiegende Teil der Bevölkerung - vor allem auch Jugendliche und junge Erwachsene - und zwar unabhängig von der Staatsangehörigkeit - aktive und sozial verantwortliche Menschen der Gesamtgesellschaft sind.
Einig ist man sich trotzdem darüber, dass gehandelt werden muss. Jedoch darf Jugendgewalt nicht isoliert betrachtet werden. Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und muss als solches angegangen werden.
Die Kampagne "so-gegen-gewalt.ch" ist Teil des Gesamtkonzepts des Kantons Solothurn gegen Gewalt und startet am Montag, 9. Juli 2007 mit einer breit angelegten Plakatkampagne und dem Aufschalten der entsprechenden Website. Inserate und Botschaften in Kinos werden folgen.
Das Kampagnenkonzept sieht vor, dass in einem ersten Schritt 2007/2008 die Gesamtbevölkerung im "öffentlichen Raum" für die Anliegen der Gewaltprävention sensibilisiert werden. Dabei geht es darum, zu mehr Zivilcourage und gegen das Wegschauen, Weghören, Schweigen und Vorbeigehen aufzurufen. Damit wird angestrebt, dass Passive zu Beteiligten werden und in geeigneter Form aktiv daran teilnehmen, Gewalt zu verhindern. Gleichzeitig sollen aber Menschen, die sich einmischen, nicht selbst Opfer von Gewalttaten werden, aber auch nicht selbst Gewalt ausüben.
Kernbotschaft der Kampagne ist, dass Wegschauen, Weghören, Schweigen und Vorbeigehen indirekt dazu führt, dass der Eindruck erweckt wird, Gewalt werde toleriert. Die Titel der Plakate "Wer wegschaut - toleriert Gewalt, Hinsehen. Handeln. Zivilcourage beweisen" soll Emotionen wecken, Reaktionen und öffentliche Diskussionen auslösen. Die Plakate sollen auffallen, mitunter auch provozieren. Die Kampagne ist somit der Beginn einer hoffentlich breit angelegten und differenzierten Debatte über Ursachen von Gewalt und Möglichkeiten der Prävention.
Bereits ein Blick in die Webseite www.so-gegen-gewalt.ch zeigt, dass die konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema schweizweit angelaufen ist. Die Webseite zeigt nebst konkreten Hilfsangeboten zahlreiche weiterführende Links. "so-gegen-gewalt.ch" ist bewusst gewählt. Es zeigt einerseits, dass der Kanton Solothurn handelt. Andererseits soll mit dem Synonym SO auch angedeutet werden, dass konkrete Antworten auf das WIE gegen Gewalt vermittelt werden.
Die im Grundlagenbericht vorgeschlagenen Massnahmen zur Intervention konnten bereits weitgehend umgesetzt werden (Jugendpolizei, gesetzliche Grundlagen für Wegweisung, Vermummungsverbot, Videoüberwachung). Der für Ende Juni 2007 in Aussicht gestellte Teilbericht "Gewaltprävention" erscheint Ende September 2007. Zum einen herrscht noch Koordinationsbedarf unter den beteiligten Stellen. Die Finanzierung einzelner Projekte und deren Umfang ist noch nicht geregelt. Zudem interessierten die Erkenntnisse des Bundes zum Thema Jugendgewalt, die zwischenzeitlich vorliegen.
In seiner Struktur will der Bericht "Gewaltprävention" zentral mit konkreten Projekten die Zukunftsperspektiven und das Zusammenleben von jungen Menschen in Familie, Schule-Arbeit, Freizeit und im sozialen Nahraum fördern. Entsprechend der lancierten Kampagne wird die Zivilcourage im öffentlichen Raum verstärkt propagiert. Dazu sind die Angebote der Zusammenarbeit stärker zu vernetzen.
Unabhängig vom Bericht ist ein Teil der Vorarbeiten zu diesen Projekten bereits angelaufen: Die Massnahmen reichen von Elternbildungsangeboten, Tagesschulstrukturen, schulischen Veranstaltungen im Klassenverband und zur Schulhauskultur, über Suchtprävention an Events, verstärkten Integrationsmassnahmen, Quartierentwicklungsprojekte in Städten bis hin zum Case Management zur noch intensiveren Minderung der Jugendarbeitslosigkeit.