Dezember 2022

Von alten Grabfunden zu neuen Baustoffen

  • 08.12.2022

Unter dem Titel «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn» erscheint der aktuelle Jahresbericht des Amts für Denkmalpflege und Archäologie. Dieser wird regelmässig im Dezember veröffentlicht und liegt nun mit Heft 27 druckfrisch vor – informativ geschrieben, reich bebildert und grosszügig gestaltet.

Die Kantonsarchäologie eröffnet das Heft mit einem Beitrag über die jungsteinzeitlichen Steinkistengräber von Däniken. Die 1946 und 1970 entdeckten Bestattungen zählen zu den ältesten Grabfunden des Kantons. Nun wurden sie neu erforscht: Auch Jahrzehnte nach ihrer Ausgrabung sind die fünf Gräber von grossem Interesse, denn sie geben seltene Einblicke in das Totenbrauchtum in der Zeit zwischen 4400 und 4200 v. Chr. Die Verstorbenen wurden in kleinen Steinkisten zur letzten Ruhe gebettet. Neben Waffen und Schmuck bekamen die Toten auch Gefässe mit ins Grab.

 

Bronzezeitliches Dorf in Stüsslingen – römische Villa in Messen

Durch Zufall wurden 2014 auf einer Baustelle in Stüsslingen die Reste eines Dorfes aus der mittleren Bronzezeit (1550–1300 v. Chr.) entdeckt. Dies ist insofern ein wichtiger Fund, da im Schweizer Mittelland nur wenige Siedlungen aus dieser Zeit bekannt sind. Die aufgefundenen Keramikscherben zeigen, was damals im Geschirrschrank stand: Schüsseln, Schalen, Tassen, Dosen sowie Töpfe – alles variantenreich verziert. Einblicke in die Viehwirtschaft geben die Tierknochenfunde: Im Dorf hielt man vor allem Schafe und Ziegen, dazu auch Rinder und Schweine.

Neues gibt es auch zum römischen Gutshof im Dorfkern von Messen zu berichten: Unterhalb der ehemaligen Schmiede schlummerten die fast 2000 Jahre alten Grundmauern eines Nebengebäudes der Römervilla. Es gehörte zum Wirtschafsteil, in dem die Häuser der Landarbeiter, die Ställe und Werkstätten sowie die Gärten und Obstplantagen lagen.

Verschiedene Wehrbauten der Solothurner Stadtbefestigung kamen zwischen 2019 und 2020 am Postplatz zum Vorschein. Die Entdeckungen zeigen beispielhaft den Ausbau der Befestigung, von der spätmittelalterlichen Stadtmauer zur barocken Schanze. 20 Kurzberichte zu Untersuchungen und Fundmeldungen sowie der Tätigkeitsbericht des Jahres 2021 runden den Archäologie-Teil ab.

 

Facettenreiche Arbeit der Denkmalpflege

Der zweite Teil des Hefts widmet sich der Tätigkeit der kantonalen Denkmalpflege. Sieben längere Beiträge schöpfen aus zahlreichen Quellen und Dokumentationen und berichten über aktuelle Restaurierungen unterschiedlichster Bauten: von der Brücke über Sakralbauten und Gasthöfe bis zu Wohn- und Geschäftshäusern.

Beim ersten Beitrag stehen die Restaurierungsmethoden im Fokus. Dank eines neuen Verbund-Baustoffs präsentiert sich die sogenannte Römerbrücke in der Grenchner Witi heute verstärkt und mit hochdichter Fahrbahnplatte. Gleichzeitig erlaubte die Anwendung des jungen Baustoffs, die Natursteinbrücke substanzschonend zu restaurieren und ihr historisches Erscheinungsbild zu bewahren.

 

Quellenarbeit und Restaurierung

Weitere Beiträge basieren auf der Aufarbeitung der Schrift- und Bildquellen. Im Fall der Kapelle Huggerwald in Kleinlützel rollt der Bericht aufgrund der Quellen im Staatsarchiv die Vorgeschichte der 1887 erbauten Sakralbaus auf und schildert mehrere Jahrzehnte Restaurierungsgeschichte, die Ende 2021 ihren vorläufigen Abschluss fanden. Ein Zeitungsbericht aus dem Jahr 1948 und historische Bilddokumente illustrieren die Geschichte und Restaurierung des ehemaligen Bades Lüterswil. Die beiden Beiträge zur Martinskirche und zum Geschäftshaus Hauptgasse 33 / Oberer Graben 4 in Olten stützen sich auf die Ergebnisse der laufenden Kunstdenkmäler-Inventarisierung und werden durch den Restaurierungsbericht des Denkmalpflegers abgerundet.

 

Bauforschung und Restaurierung

Schliesslich berichten die Bauforscher über zwei Gebäude, deren Baugeschichte sie anlässlich von Restaurierungen eingehend untersuchten. Bei beiden geht es auch um Stadtgeschichte: Der «Alte Spittel» und der Hexenturm in Olten besassen wichtige, wenn auch unterschiedliche öffentliche Funktionen und bieten nun neuen Wohnraum. In Solothurn konnte das unscheinbare, aber vornehm ausgestattete Hinterhaus am Klosterplatz 4 in den Kontext der Quartier- und Stadtgeschichte gestellt werden.

Das Heft schliesst mit 14 Kurzberichten und dem Tätigkeitsbericht der Denkmalpflege über das Jahr 2021. Es kann per sofort bezogen werden und ist ebenso online verfügbar.

 

Bibliografische Angaben

«Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn 27, 2022»

Herausgegeben vom Amt für Denkmalpflege und Archäologie

ISBN 978-3-9525441-0-5 / ISSN 1422-5050

Umfang 144 Seiten, broschiert, Preis CHF 20.–

Zu beziehen im Buchhandel oder beim Amt für Denkmalpflege und Archäologie, Werkhofstrasse 55, 4509 Solothurn

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