Juli 2022

Aktionsplan Pflanzenschutz: Auf gutem Weg, aber noch nicht am Ziel

  • 05.07.2022

Die Massnahmen zur Reduktion der Risiken von Pflanzenschutzmitteln zeigen Wirkung und führen im Vergleich zu früher zu einer Verbesserung der Wasserqualität in Oberflächengewässern. Das Ziel, die Risiken um 50 Prozent zu reduzieren, ist aber noch nicht erreicht. Die Anstrengungen müssen deshalb weitergeführt werden.

Pflanzenschutzmittel (PSM) sichern Ernten und die Qualität von Lebensmitteln. Sie können aber auch die Umwelt belasten. Zur Senkung der Risiken von PSM hat der Bund im Jahr 2018 einen entsprechenden Aktionsplan (AP PSM) initiiert, mit dem Ziel, die Risiken um 50 Prozent zu reduzieren. Für die kantonale Umsetzung haben das Amt für Landwirtschaft (Abteilungen Agrarpolitische Massnahmen und Bildungszentrum Wallierhof), das Amt für Umwelt und der Solothurner Bauernverband einen Katalog mit 44 Massnahmen erarbeitet.

Positives Fazit nach vier Jahren

Der nun veröffentlichte Zwischenbericht zeigt nach vier Jahren den Stand der Arbeiten im Kanton Solothurn auf. Insgesamt kann ein positives Fazit gezogen werden. Es hat sich im Pflanzenschutz bereits einiges bewegt. Viele Mittel, die die Umwelt erheblich belasten, sind heute nicht mehr zugelassen. Zudem fördert der Bund Anbausysteme, die mit weniger Pflanzenschutz auskommen. Weiter setzt die Landwirtschaft vieles daran, unerwünschte Belastungen zu reduzieren – insbesondere in Gewässern. So wurden mindestens 32 neue befestigte Plätze für das Befüllen und Waschen von Pflanzenschutzgeräten errichtet, offene Schachtdeckel werden mit geschlossenen ersetzt, und immer mehr Flächen werden mit einem reduzierten PSM-Einsatz bewirtschaftet.

«PestiRed»: Praxislabor für Kulturtechniken

Besonders im Obst- und Beerenbau sowie bei Ackerkulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben und Raps bringt die Reduktion der Pflanzenschutzmittel eine grosse Herausforderung mit sich und führt in der Regel zu geringeren Erträgen. Im Rahmen des Projektes «PestiRed» beteiligen sich 19 Solothurner Betriebe daran, neue Bewirtschaftungsmassnahmen zu entwickeln, mit denen der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verringert werden kann. Im Projekt wird wissenschaftlich untersucht, wie sich die Ertragsminderungen auf die Wirtschaftlichkeit auswirken. Das Projekt zeigt bereits jetzt, dass der Verzicht auf Pflanzenschutz höhere Anforderungen an die Bewirtschaftenden stellt. Alternative Massnahmen fordern eine hohe «Feldpräsenz» für Beobachtungen, um im richtigen Moment und unter stärkerer Berücksichtigung von Boden, Witterung, Kulturstadium die geeigneten Interventionen einzuleiten. Der chemische Pflanzenschutz wird demgegenüber als einfach, planbar und sicher in der Wirkung beurteilt.

Zustand der Bäche verbessert sich

Mit der Überwachung der chemischen und der biologischen Wasserqualität sammelt das Amt für Umwelt wertvolle Hinweise zum Zustand in den Oberflächengewässern. In Bezug auf die biologische Belastung (Auswirkungen auf Gewässerorganismen) ist ein Trend erkennbar, dass sich der Zustand der untersuchten Bäche zum Positiven entwickelt und sich den unbelasteten Referenzbächen annähert. Bei der Belastung der untersuchten Gewässer mit konkreten chemischen Wirkstoffen sind im Vergleich zum Zustand vor zehn Jahren Verbesserungen sichtbar. Jedoch wurden in den letzten zwei Jahren noch an allen fünf überwachten Gewässern Überschreitungen der gesetzlichen Anforderungswerte beobachtet.

Pflanzenschutzmittel werden auch im gewerblichen und im privaten Rahmen genutzt (z. B. Gartenbau, Sportanlagen, öffentliches Gelände etc.). Mit diversen neuen Massnahmen in diesen Bereichen wird der Massnahmenplan erweitert und gestärkt, um die Risiken weiter zu senken.

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