Elektronische Busspur: Eine innovative Lösung für einen zuverlässigen Verkehrsfluss
Der öffentliche Verkehr soll auch in den Hauptverkehrszeiten zuverlässig unterwegs sein. Gerade dort, wo das Verkehrsaufkommen hoch ist, ist dies jedoch nicht selbstverständlich. Im Westen von Solothurn stösst das Verkehrssystem während der Spitzenzeiten an seine Kapazitätsgrenzen. Damit die Busse trotzdem pünktlich verkehren können, realisiert das Amt für Verkehr und Tiefbau (AVT) auf der Weissensteinstrasse die erste elektronische Busspur im Kanton Solothurn.
Mehr Platz für den Bus – ohne zusätzliche Fahrspur
Das hohe Verkehrsaufkommen auf der Westtangente führt regelmässig zu Rückstaus auf den Zufahrtsachsen. Besonders betroffen sind die Bielstrasse und die Weissensteinstrasse. Bereits heute besteht auf der Weissensteinstrasse vor dem Ypsomed-Knoten eine kurze Busspur. Damit die Busse diese erreichen, muss der Rückstau möglichst kurz gehalten werden. Dies hat zur Folge, dass der Verkehr von Bellach stärker dosiert werden muss, was auf der Bielstrasse zu längeren Wartezeiten und Ausweichverkehr führt.
Mit der elektronischen Busspur wird dieses Verkehrsregime grundlegend verbessert.
Im Unterschied zu einer herkömmlichen Busspur ist dafür keine zusätzliche Fahrspur erforderlich. Stattdessen nutzt der Bus bei Bedarf die Gegenfahrbahn. Während der Bus den rund 150 Meter langen Abschnitt befährt, wird der Gegenverkehr mittels Lichtsignalanlage während rund 45 Sekunden angehalten. Anschliessend wird der Verkehr wieder in beide Richtungen freigegeben.
Die Anlage wird nicht nach einem festen Zeitplan betrieben, sondern nur dann aktiviert, wenn die Westtangente aufgrund des Verkehrsaufkommens an ihre Kapazitätsgrenzen gelangt. Moderne Detektionssysteme erkennen diese Situation automatisch und lösen die Busbevorzugung aus.
Innovative Lösung mit Vorteilen für alle Verkehrsteilnehmenden
Elektronische Busspuren sind in der Schweiz bislang erst vereinzelt anzutreffen. Mit dem Projekt an der Weissensteinstrasse wird eine solche Anlage erstmals im Kanton Solothurn umgesetzt.
Der wesentliche Vorteil liegt im geringen Platzbedarf. Für eine klassische Busspur hätten entweder Teile der bestehenden Baumallee entfernt oder zusätzliches Kulturland beansprucht werden müssen. Beide Varianten erwiesen sich als unverhältnismässig.
Von der neuen Lösung profitiert jedoch nicht nur der öffentliche Verkehr. Durch die angepasste Verkehrssteuerung wird der Jumbokreisel entlastet, wodurch Fahrzeuge von der Bielstrasse einfacher einfahren können. Dadurch verkürzt sich die durchschnittliche Reisezeit auf der Bielstrasse in der Abendspitze um rund eine Minute und in der Morgenspitze um knapp vier Minuten. Mit dem Projekt wird die Leistungsfähigkeit der Hauptachse von der Westtangente in die Stadt erhöht, während der Verkehr auf den Nebenachsen dosiert werden kann. Die elektronische Busspur stellt dabei einen zuverlässigen Busbetrieb sicher.
Verkehrssicherheit hat oberste Priorität
Die Planung der elektronischen Busspur stellte hohe Anforderungen an die Verkehrssteuerung. Das Zusammenspiel zwischen Westtangente, Bielstrasse und Weissensteinstrasse wurde deshalb mit einer umfassenden Verkehrssimulation untersucht.
Ein besonderes Augenmerk galt der Verkehrssicherheit. Es muss jederzeit ausgeschlossen sein, dass sich Bus und Gegenverkehr im Bereich der elektronischen Busspur begegnen. Auch der Veloverkehr wurde speziell berücksichtigt. Bergwärts wird deshalb ein neuer Veloweg ausserhalb der Fahrbahn erstellt. Dadurch kann der Bus den Abschnitt sicher befahren, ohne den übrigen Verkehr länger als nötig anzuhalten. Die Sicherheit der gewählten Lösung wurde zusätzlich durch ein unabhängiges Ingenieurbüro überprüft.
Intelligente Verkehrssteuerung gewinnt an Bedeutung
An der Planung beteiligt waren Fachpersonen aus den Bereichen Strassenbau, Verkehrstechnik, Verkehrsplanung und öffentlicher Verkehr sowie die Stadt Solothurn, die Gemeinde Langendorf und die Busbetrieb Solothurn und Umgebung AG (BSU).
Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich auf rund 5,5 Millionen Franken. Darin enthalten sind neben der elektronischen Busspur auch der vollständige Ersatz des Strassenbelags, die Anpassungen an der Entwässerung sowie ein neuer Veloweg. Die Bauzeit beträgt voraussichtlich zwei bis drei Jahre.
Die elektronische Busspur zeigt beispielhaft, welche Möglichkeiten moderne Verkehrssteuerungen bieten. Dort, wo der Platz für zusätzliche Infrastruktur fehlt, können intelligente Systeme dazu beitragen, die bestehende Infrastruktur besser zu nutzen und den öffentlichen Verkehr zuverlässig durch stark belastete Strassenabschnitte zu führen.
Einige Kennzahlen:
- Standort Weissensteinstrasse Solothurn, Länge der elektronischen Busspur ca. 150 m
- Investitionskosten Die Gesamtkosten betragen rund 5.5 Millionen Franken (inkl. der Kosten für Belagsersatz und Entwässerung), es sind Bundesbeiträge für die Lärmsanierung sowie aus dem Agglomerationsprogramm von rund 1.0 Millionen Franken. zu erwarten
- Anzahl Busse pro Tag 67 (wie viele die Busspur nutzen hängt vom Verkehrsaufkommen auf der Westtangente ab, aktuell ist von ca. 2.5 Stunden Betrieb pro Tag auszugehen, was zu rund zehn betroffenen Fahrten führt)
- Verkehrsbelastung ca. 10'000 Fahrzeuge pro Tag
- Bauzeit 2 bis 3 Jahre (inklusive kompletter Belagsersatz + Anpassung Entwässerung im Perimeter)
Amt für Verkehr und Tiefbau
Rötihof
Werkhofstrasse 65
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Solothurn
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