Ortsdurchfahrtsanierung Neuendorf: Mehr als nur eine neue Strasse

Wer durch Neuendorf fährt, nimmt die Bauarbeiten an der Dorfstrasse vor allem als Strassensanierung wahr. Tatsächlich steckt hinter dem Projekt jedoch weit mehr als ein neuer Belag. Über eine Strecke von rund 1,9 Kilometern werden Strasse, Kunstbauten wie Stützmauern, Brücken und Bachdurchlässe, Bushaltestellen und Werkleitungen erneuert sowie die Verkehrssicherheit für sämtliche Verkehrsteilnehmenden verbessert. Die Ortsdurchfahrtsanierung zählt damit zu den anspruchsvolleren Strassenbauprojekten des Amts für Verkehr und Tiefbau (AVT).

Eine Sanierung mit vielen Gründen

Die Dorfstrasse in Neuendorf weist heute zahlreiche Schäden auf. Innerorts hat der Belag seine Lebensdauer erreicht, ausserorts entspricht der Strassenabschnitt als letzter im Umfeld noch nicht der Breite von sieben Metern. Gleichzeitig erfüllen die Strassenentwässerung und einzelne Leitungen die heutigen Anforderungen nicht mehr. Auch die Bushaltestellen entsprechen den Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht.

Im Rahmen des regelmässigen Unterhalts zeigte sich zudem, dass mehrere Kunstbauten entlang der Strecke sanierungsbedürftig sind. Die notwendigen Sanierungen und teilweise erforderlichen Ersatzneubauten wurden deshalb in die Projektierung der Ortsdurchfahrtsanierung integriert. Bei einer Brücke über den Mittelgäubach wurde zudem festgestellt, dass sie den Wasserabfluss bei Hochwasser behindert. Sie wird deshalb vollständig ersetzt.

Viele Projekte unter einem Dach

Die Ortsdurchfahrtsanierung bietet die Gelegenheit, verschiedene Bauvorhaben gleichzeitig umzusetzen. Neben der umfassenden Erneuerung der Strasse werden Kunstbauten saniert oder ersetzt, die Strassenentwässerung erneuert und die Verkehrssicherheit verbessert. Gleichzeitig erneuern die Gemeinde Neuendorf sowie verschiedene Werkeigentümer ihre Infrastruktur. Dazu gehören unter anderem Wasserleitungen, Werkleitungen der Elektra Neuendorf, Anlagen des Zweckverbands ARA Gäu sowie punktuelle Anpassungen der Swisscom.

Auch der öffentliche Raum wird aufgewertet. So entstehen neue Fussgängerübergänge mit Mittelinseln, bestehende Gehwege werden ergänzt oder verlängert und die Bushaltestellen werden hindernisfrei ausgebaut. Zudem werden einzelne Abschnitte des Mittelgäubachs renaturiert.

Anspruchsvolle Koordination

Ein Projekt dieser Grössenordnung erfordert die enge Zusammenarbeit zahlreicher Beteiligter. Neben dem AVT als Bauherr wirken unter anderem die Einwohnergemeinde Neuendorf, verschiedene Werkeigentümer, Ingenieurbüros, Bauunternehmen, Spezialisten für Markierungen, Signalisation, Gartenbau und Metallbau sowie die Busbetriebe und die Kantonspolizei mit.

Die Herausforderung besteht dabei nicht nur in der technischen Umsetzung. Auch die zahlreichen Schnittstellen zwischen Strassenbau, Werkleitungen und Kunstbauten müssen laufend koordiniert werden. Insgesamt wird das Projekt in 19 Bauetappen umgesetzt.

Bauen unter Verkehr

Eine besondere Herausforderung stellt die Aufrechterhaltung des Verkehrs während der Bauzeit dar. Die Arbeiten finden mitten im Dorf statt, wo Anwohnende, Gewerbebetriebe und der öffentliche Verkehr möglichst wenig eingeschränkt werden sollen.

Je nach Bauetappe wird der Verkehr mit Lichtsignalanlagen geregelt oder abschnittsweise im Einbahnsystem geführt. Gleichzeitig müssen sichere Fusswegverbindungen gewährleistet und die Zufahrten zu den angrenzenden Liegenschaften möglichst aufrechterhalten werden.

Ein langer Weg bis zum Baustart

Nicht nur die Bauarbeiten selbst sind anspruchsvoll, auch der Weg bis zum Baustart war lang. Zwischen dem Beginn der Projektierung im Jahr 2017 und der rechtskräftigen Genehmigung Anfang 2025 lagen mehrere öffentliche Auflagen sowie Verfahren vor dem Regierungsrat, dem Verwaltungsgericht und dem Bundesgericht.

Damit dauerten allein die Planung und Bewilligung rund acht Jahre. Im Vergleich dazu nimmt die Ausführung mit insgesamt rund drei Jahren deutlich weniger Zeit in Anspruch.

Investition in die Zukunft

Die Gesamtkosten der Ortsdurchfahrtsanierung belaufen sich auf rund 10,3 Millionen Franken. Neben der eigentlichen Strassensanierung umfasst das Projekt die Erneuerung von sieben Kunstbauten, den hindernisfreien Ausbau von drei Bushaltestellen mit insgesamt sechs Haltekanten sowie zahlreiche Werkleitungsarbeiten.

Nach Abschluss der Bauarbeiten profitiert die Bevölkerung von einer modernen und langlebigen Infrastruktur. Ein lärmarmer Strassenbelag reduziert die Lärmbelastung im Dorf, die neuen Bushaltestellen erfüllen die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes und zusätzliche Fussgängerübergänge erhöhen die Sicherheit insbesondere für den Langsamverkehr. Zudem wird der Hochwasserschutz gestärkt.

Für Projektleiter und Beteiligte ist die Ortsdurchfahrtsanierung aber auch ein Beispiel dafür, dass grosse Infrastrukturprojekte einen langen Atem erfordern. Oder, wie es das bekannte Sprichwort treffend zusammenfasst: «Was lange währt, kommt endlich gut.»

Amt für Verkehr und Tiefbau

Rötihof
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