In Frauenhäusern finden Frauen mit oder ohne Kinder Schutz und Unterkunft, wenn sie häusliche Gewalt erlebt haben. Die Situation der Klientinnen in Frauenhäusern hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Neben akuten Gewalterfahrungen sind viele Frauen und ihre Kinder heute zusätzlich mit psychischen Belastungen, finanziellen Schwierigkeiten oder Überforderung im Alltag konfrontiert. Dies erschwert den direkten Übergang in ein selbständiges Leben nach dem Aufenthalt im Frauenhaus. Aktuell fehlt es an geeigneten Anschlusslösungen. Um diese Lücke zu schliessen, schafft der Kanton Solothurn ein neues Angebot in Form von betreuten Übergangswohnungen für gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder.
Übergang in ein selbständiges und gewaltfreies Leben
Zur Verfügung gestellt werden die Übergangswohnungen von der Stiftung Schmelzi. Der Regierungsrat hat das Amt für Gesellschaft und Soziales ermächtigt, mit der Stiftung Schmelzi eine Leistungsvereinbarung abzuschliessen. Das neue Angebot richtet sich an Frauen, die das Frauenhaus verlassen können, jedoch weiterhin Unterstützung im Alltag, bei der Wohn- und Arbeitssuche sowie bei der Verarbeitung von Gewalterfahrungen benötigen. Ziel ist eine Stabilisierung im Übergang in ein selbständiges und gewaltfreies Leben. Das neue Angebot erhöht die Wahrscheinlichkeit eines langfristig erfolgreichen Ausstiegs aus der Gewaltspirale. Zudem entlastet das Angebot die Frauenhäuser, da Frauen nicht länger dort verbleiben müssen, wenn kein akuter Schutzbedarf mehr besteht.
Pilotprojekt für zwei Jahre
Die betreuten Übergangswohnungen werden als Pilotprojekt für zwei Jahre bis am 30. April 2028 geschaffen. Vorgesehen ist zunächst die Bereitstellung einer Wohnung mit Plätzen für zwei Frauen mit Kindern ab Mai 2026. Bei Bedarf kann das Angebot auf zwei Wohnungen mit insgesamt vier Plätzen ausgebaut werden. Die Stiftung Schmelzi bietet bereits heute Wohnangebote und Betreuung für Menschen in schwierigen Lebenssituationen. Dieses Angebot wird nun erweitert um ein spezialisiertes Angebot für gewaltbetroffene Frauen und deren Kinder. Der Kanton Solothurn beteiligt sich mit einer Defizitgarantie am Pilotprojekt. Er übernimmt die Infrastrukturkosten der Stiftung Schmelzi in diesen zwei Jahren, falls die Auslastung des neuen Angebots unter 90 Prozent liegt. Aufgrund der grossen Nachfrage ist aber, falls überhaupt, höchstens von geringen Kosten für den Kanton auszugehen.