Täglich rückt die Kantonspolizei Solothurn wegen häuslicher Gewalt aus. Bei rund der Hälfte dieser Einsätze treffen sie auf Kinder. Da sich häusliche Gewalt in der Privatsphäre der eigenen vier Wände abspielt, ist die Dunkelziffer sehr hoch. Zwar ist das öffentliche Bewusstsein für die Thematik der häuslichen Gewalt gewachsen und die Fallzahlen im Kanton Solothurn sind gemäss aktueller Kriminalstatistik leicht rückläufig. Indirekt betroffene Kinder geraten im öffentlichen Diskurs jedoch weiterhin oft nicht ins Blickfeld. Das Amt für Gesellschaft und Soziales setzt sich dafür ein, die Situation betroffener Kinder nachhaltig zu verbessern. Ein wesentlicher Pfeiler dabei ist die Sensibilisierung von Öffentlichkeit und Fachwelt sowie deren Vernetzung. Die Veranstaltung «Fokus Kinderschutz!» vom 30. April 2026 im BBZ Solothurn bot hierfür eine Plattform.
Mitbetroffenheit bei häuslicher Gewalt ist eine Kindeswohlgefährdung
Kinder, die zuhause Gewalt zwischen Erwachsenen erleben, sind immer mitbetroffen. Solche Erfahrungen können für die Kinder traumatisierend sein und sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden auslösen. Ausserdem besteht die Gefahr, dass sich gewalttätige Verhaltensmuster über Generationen hinweg fortsetzen. «Die Gesellschaft hat eine Verantwortung, Kinder vor Gewalterfahrungen zu schützen. Umso wichtiger ist es, dass Gesellschaft und Fachstellen hinschauen und handeln», betonte Fachexperte Reto Maag vom Amt für Gesellschaft und Soziales an der Veranstaltung. Über 70 Teilnehmende aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft tauschten sich im Rahmen der Veranstaltung intensiv mit den kantonalen Stellen aus – darunter die Beratungsstelle Opferhilfe, die KESB, die Schulsozialarbeit, das Frauenhaus Aargau-Solothurn sowie die Kantonspolizei. Ziel war es, die Zusammenarbeit zu intensivieren und bestehende professionelle Netzwerke weiter zu verdichten.
Situation betroffener Kinder nachhaltig verbessern
Im Rahmen der Veranstaltung wurde auch der neue Leitfaden zum Umgang mit Kindern als Mitbetroffene von häuslicher Gewalt vorgestellt. Der Leitfaden, der demnächst online auf der Website des Kantons und in gedruckter Form publiziert werden soll, wurde vom Amt für Gesellschaft und Soziales in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Nordwestschweiz FHNW entwickelt. Er bündelt aktuelles Fachwissen, bietet praxisnahe Unterstützung für den Berufsalltag der Fachpersonen und zeigt die Zuständigkeiten im Kanton Solothurn auf. Der Leitfaden ist Teil eines umfassenden Massnahmenpakets. Ergänzend wurden bereits gezielte Weiterbildungen für Fachpersonen aus dem Kanton Solothurn durchgeführt. Aktuell wird zudem ein neues Beratungsangebot aufgebaut, das sich an Kinder richtet, die häusliche Gewalt miterlebt haben. Es soll im Laufe des Jahres bereitstehen.
Weitere Informationen
Über die Veranstaltungsreihe «Fokus Kinderschutz!»
Mit der Veranstaltungsreihe Fokus Kinderschutz! informiert die Anlauf- und Koordinationsstelle für Kinder- und Jugendfragen im Amt für Gesellschaft und Soziales zweimal jährlich, je einmal live und digital, kompakt und aktuell über Veränderungen, Entwicklungen und Trends im Bereich des Kinder- und Jugendschutzes. Die Veranstaltungsreihe richtet sich an Fachpersonen aus dem Kanton Solothurn und ist für diese kostenlos.