Medienmitteilung

Pflanzenschutzmittel: Massnahmen zur Risikoreduktion wirken

  • 02.11.2026

Die in den letzten Jahren umgesetzten Massnahmen von Bund und Kanton zur Risikoreduktion von Pflanzenschutzmitteln zeigen Wirkung. Die Einträge in die Gewässer gehen zurück. Das zeigt die Analyse von Solothurner Gewässern. Verschärfte Vorschriften bei der Zulassung und Anwendung führen aber auch zu Lücken beim Schutz der Pflanzen vor Schädlingen und Krankheiten.

Hintergrund: Pflanzenschutzmittel (PSM) leisten einen wichtigen Beitrag zur kostengünstigen Sicherung der Erträge und der Qualität von Erntegütern in der Landwirtschaft. Der Einsatz von PSM hat jedoch Risiken für die Umwelt. Um diese zu senken, hat der Kanton Solothurn zur Unterstützung der Bestrebungen des Bundes einen Massnahmenplan beschlossen. Als Konsequenz daraus haben die Behörden in den letzten acht Jahren vielen PSM mit erhöhtem Risikopotenzial die Zulassungsbewilligung entzogen, Anwendungsvorschriften verschärft, Massnahmen zur Verminderung von Einträgen via Schächte mit Anschluss an Oberflächengewässer umgesetzt und Kontrollen etabliert. Bei gewerblichen Anwendungen wurden die Vorschriften ebenfalls verschärft und Kontrollen etabliert. Für den Hobbygartenbau sind heute nur noch wenige problematische Pflanzenschutzmittel käuflich, und wer Pflanzenschutzmittel beruflich anwendet, muss über eine Fachbewilligung verfügen.

Weniger Belastungen von Solothurner Gewässern

Gewässeruntersuchungen zeigen, dass die getroffenen Massnahmen zur Senkung der Risiken des chemischen Pflanzenschutzes wirken. In den untersuchten Gewässern im Kanton Solothurn sind die Überschreitungen von ökotoxikologischen Grenzwerten und weiteren Qualitätskriterien in den letzten Jahren tendenziell gesunken. So ist zum Beispiel im Limpach, der ein intensiv ackerbaulich genutztes Gebiet entwässert, der Risikoquotient für Insektizide seit 2024 nicht mehr überschritten worden. Auch die Situation bei Herbiziden hat sich verbessert. Problematisch sind weiterhin die Belastungen mit Kupfer. Dieses stammt aus verschiedenen Quellen, wie zum Beispiel auch aus Dachrinnen. 
Der biologische Zustand von Gewässern kann nicht nur mit chemischen Analysen, sondern auch mit dem Nachweis von wirbellosen Organismen untersucht werden. Dabei zeigt sich leider, dass viele Gewässer nur eine mässige Qualität aufweisen. Hier müssen aber Belastungen mitberücksichtigt werden, die nicht aus der Landwirtschaft stammen: Mikroverunreinigungen wie PFAS, Mikroplastik, Biozide, Schmerzmittel, sowie andere Umwelteinflüsse.

Schutz von Kulturpflanzen als Herausforderung

Um die Risiken von PSM weiter zu senken, werden diverse Massnahmen weiterverfolgt oder wurden inzwischen in dauerhafte Instrumente überführt (zum Beispiel Massnahmen zum Schutz vor Abschwemmung und von Punkteinträgen). Durch die ergriffenen Massnahmen ist es heute aber schwieriger, die Kulturpflanzen wirksam vor Krankheiten und Schädlingen sowie vor Unkrautkonkurrenz zu schützen. Wenn der chemische Pflanzenschutz weiter reduziert werden soll, müssen für einen wirksamen Schutz der Kulturen alternative und wirtschaftliche Methoden zur Verfügung stehen wie zum Beispiel resistente Sorten. Zudem müssen Konsumenten und Konsumentinnen vermehrt bereit sein, nicht nur makelloses Obst und Gemüse zu kaufen. Die Landwirtschaft ihrerseits ist dazu angehalten, die Prinzipien des integrierten Pflanzenschutzes zielgerichtet anzuwenden und die Risiken von PSM auf die Umwelt möglichst gering zu halten.

Integrierter Pflanzenschutz

Beim integrierten Pflanzenschutz sollen mit vorbeugenden Massnahmen, wie zum Beispiel einer guten Fruchtfolge und resistenten Sorten, die Pflanzen möglichst gesund und widerstandsfähig gehalten werden. Durch eine aufmerksame Beobachtung der Kulturen werden Pflanzenschutzmassnahmen nur falls nötig ergriffen. Dabei stehen umweltfreundliche Massnahmen wie die mechanische Unkrautbekämpfung oder der Einsatz von Nützlingen im Vordergrund. Der Griff zu chemischen Pflanzenschutzmitteln gilt als Notnagel, wenn der erwartete Schaden zu gross wird und nichts anderes helfen kann. Das Ziel des integrierten Pflanzenschutzes ist eine nachhaltige Landwirtschaft, welche die natürlichen Ressourcen nicht dauerhaft übernutzt. Angestrebt werden optimale und nicht maximale Erträge.

Weitere Informationen

Schlussbericht zum kantonalen Massnahmenplan Pflanzenschutz

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