Hintergrund: Im Solothurner Schulsystem werden die Schülerinnen und Schüler ab der fünften Klasse der Primarschule auf die Sekundarstufe I vorbereitet und in die drei Anforderungsniveaus Sek B, Sek E und Sek P eingeteilt. Knapp ein Viertel der Primarschülerinnen und -schüler wechselt in die Sek P. Die Sek B und die Sek E dauern jeweils drei Jahre und bereiten hauptsächlich auf die Berufsausbildung vor. Die Sek P (Progymnasium) dauert zwei Jahre und ermöglicht den Eintritt ins Gymnasium. Ihre Inhalte sind eng mit dem gymnasialen Lehrplan verzahnt. Deshalb findet an der Sek P keine umfassende Berufsorientierung statt.
Die frühe Selektion, die inhaltliche Ausrichtung und die Dauer der Sek P verursachen bei rund einem Sechstel der Schülerinnen und Schüler direkte Schwierigkeiten, einen passenden Bildungsweg einzuschlagen. Eine umfassende Berufsorientierung kann diese Schwierigkeiten mildern und Entscheidungsgrundlagen für einen möglichen Wechsel in die Berufsbildung schaffen. Deshalb soll ab dem Schuljahr 2028/2029 ein entsprechendes Fach an der Sek P eingeführt werden. Dazu wird die Stundentafel der Sek P angepasst.
Ausblick: Weiterentwicklung Sekundarschule 2035
Mit dieser Justierung der Sek P reagiert der Regierungsrat auf den kantonsrätlichen Auftrag «3 Jahre für alle, Fachkräftepotenzial ausschöpfen; Berufsorientierung für alle». Im Rahmen dieses Prüfauftrags wurde aber auch festgestellt, dass die Struktur der Sekundarschule I grundsätzlich, im Interesse der Durchlässigkeit und der Anschlussfähigkeit, weiterentwickelt werden müsste. Das Anliegen soll als Teil einer kantonalen Weiterentwicklung zur Sekundarschule 2035 aufgegriffen werden. Langfristiges Ziel ist es, die Ausbildungsstrukturen einfacher und einheitlicher zu gestalten. Der Wechsel auf andere Anforderungsniveaus soll vereinfacht und der Übergang in nachobligatorische Bildungsgänge optimiert werden.
Der Bildungsbericht Schweiz 2026 der Schweizerischen Koordinationsstelle für Bildungsforschung verdeutlicht, dass bei den Übergängen von der Volksschule zur beruflichen Grundbildung sowie zu den allgemeinbildenden Schulen der Sekundarstufe II schweizweit Handlungsbedarf besteht. Der Bericht zeigt, dass eine strukturelle Weiterentwicklung erforderlich ist. Die Daten weisen darauf hin, dass zweigliedrige Sekundarschulen, die gleichzeitig durchlässig sind, ihre Schülerinnen und Schüler besser auf die Anforderungen der weiterführenden Schulen und Betriebe vorbereiten können als dreigliedrige Sekundarschulen, wie sie im Kanton Solothurn bestehen (3 Niveaus B, E und P).
Weitere Informationen
Prüfauftrag Sekundarstufe I: «3 Jahre für alle, Fachkräftepotential ausschöpfen, Berufsorientierung für alle»: Bericht zur Kenntnisnahme und weiteres Vorgehen (als Anhang)
Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (2026): Bildungsbericht Schweiz 2026. Aarau: Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung (SKBF-CSRE: Bildungsbericht)