Medienmitteilung

Unesco-Pfahlbauten im Inkwilersee sind nun für Jahrzehnte geschützt

  • 19.01.2026

Die Kantone Bern und Solothurn haben die Bauarbeiten zum Schutz der archäologischen Fundstelle im Inkwilersee abgeschlossen. Ein Nagetiergitter schützt die wertvollen archäologischen Reste im Boden und unter Wasser vor dem Biber. Teil des Schutzprojekts sind auch Aufwertungsmassnahmen für Flora und Fauna.

Die Bauarbeiten im Inkwilersee wurden wie geplant Anfang Dezember 2025 abgeschlossen. Die grosse Insel und der nahe Seegrund sind mit Nagetiergittern, Kies und einem Häcksel-Erde-Gemisch bedeckt worden. Damit kann die Unesco-Welterbe-Fundstelle nun unter guten Bedingungen für künftige Generationen im Boden erhalten bleiben und ist vor dem Biber geschützt. Die Kosten dieser Schutzmassnahmen teilen sich die beiden Kantone Bern und Solothurn mit je 300 000 und der Bund mit 200 000 Franken.

Aufwertungsmassnahmen für Flora und Fauna

Neben dem Erhalt des Unesco-Kulturerbes musste auch dem Naturschutz Rechnung getragen werden. Dazu gehörte der Schutz des Bibers und des Brutgebiets auf der Insel. Die beiden Kantone haben deshalb diverse Massnahmen beschlossen und einige davon bereits umgesetzt: Um Habitate und Strukturen für Fische, Vögel und weitere Kleintiere zu bilden, ist nach den Bauarbeiten der ursprüngliche Totholzbestand auf dem Seegrund im Uferbereich wieder hergestellt worden. Ausserdem wurden auf der Insel Asthaufen errichtet. Auf der Insel sind Stämme der verbliebenen Bäume sorgfältig mit Nagetiergitter geschützt worden, um sie als Nistbäume zu erhalten. Der künstliche Biberersatzbau auf der kleinen Insel wird nach der Brutzeit der Vögel abgebaut. Die Biber haben bereits jetzt an anderen Stellen neue Bauten errichtet.

Regelmässige Kontrollen

Zudem erarbeiten die beiden Kantone ein Pflegekonzept. Darin integriert sind die regelmässige Kontrolle des Nagetiergitters und der nachhaltige Wiederbewuchs der Insel. Mit diesem soll die Ausbreitung von Neophyten bekämpft werden. Ein erstes Monitoring in Zusammenarbeit mit verschiedenen kantonalen Fachstellen ist für den Sommer 2026 vorgesehen. 

Anspruchsvoller Bauablauf

Das Bauvorhaben war von der Planung bis zur Umsetzung komplex und aufwendig. Nachdem die Tauchequipe des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern das Verlegen des Gitters unter Wasser getestet hatte, starteten Anfang Oktober 2025 die Bauarbeiten. In einer ersten Etappe wurden das Unterholz ausgelichtet und nicht standortgerechte oder kranke Bäume gefällt. Anschliessend wurden die Biberbauten abgebaut, die eingestürzten Bibertunnel mit einem Erde-Häcksel-Gemisch aufgefüllt und die Uferböschung und die ausgespülten Buchten mit Kies ausgeebnet und aufgefüllt. 

Unter Wasser rollten die Mitarbeitenden der Tauchequipe fünf Bahnen Nagetiergitter auf dem eingeebneten Seegrund aus, auf der Insel schützten Baumitarbeiter mit den Gitterbahnen den Boden. Die einzelnen Bahnen wurden überlappend verlegt, zusammengeheftet und mit einer Deckschicht versehen. So wird verhindert, dass sich Tiere im Gitter verfangen oder sich daran verletzen. Im Uferbereich sichert zusätzlich ein Jutenetz diese Deckschicht vor der Erosion.

Fundstelle von internationaler Bedeutung

Die grosse Insel im Inkwilersee ist eine seit langem bekannte und geschützte archäologische Fundstelle auf der Grenze der Kantone Bern und Solothurn. Als Teil des Unesco-Welterbes «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen» trägt sie den höchsten Schutz und ist von internationaler Bedeutung. Das Schutzgebiet umfasst die Insel und den angrenzenden Seegrund, wo sich gut erhaltene Siedlungsreste aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit (3800–850 v. Chr.) befinden. 

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