Waldschutz / Waldgesundheit

Was passiert gerade?

In viele Regionen werfen Bäume einzeln oder auf grossen Flächen verfrüht ihr Laub ab – teilweise verbraunt es vorher, teilweise fällt es welk, aber noch grün. Betroffen ist insbesondere die Rotbuche als häufigste Baumart der Region, die eigentlich gut an die Waldstandorte im Kanton Solothurn angepasst ist. Dieser Laubfall kann jedoch aktuell auch bei anderen Baumarten beobachtet werden. Einen solchen vorzeitigen Laubfall gab es zwar schon früher, aber nicht so früh im Jahr und nicht in diesem Ausmass. Erstmals grossflächig aufgetreten ist das Phänomen 2018, als im Kanton Solothurn vor allem grosse, stattliche Buchen im August braun wurden. Damals war vor allem der nördliche Teil des Kantons betroffen. Im Juni 2026 begann es am gesamten Nordhang der ersten Jurakette im Thal. Mancherorts verlieren dort sogar die Jungbäume im Unterwuchs ihr Laub. Auch ganze Bestände mit jüngeren Bäumen – sogenanntes Stangenholz – sind betroffen. Nun zeigt sich der Laubfall im ganzen Kanton.

Als weitere Folge sind nun Astabbrüche zu beobachten, teilweise befinden sie sich noch in grün belaubtem Zustand.

Warum passiert das?

Der Klimawandel macht sich bemerkbar: Trocken- und Hitzephasen, wie sie von der Forschung vorausgesagt wurden und wir sie in den letzten Jahren erlebt haben, sind mittlerweile Realität. Die wiederholte Belastung durch solche Ereignisse führt zu einer Häufung von Schäden an den Bäumen. 

Was wird mit dem betroffenen Wald passieren?

Bäume ohne oder mit stark eingeschränkter Blattmasse können kaum mehr wachsen und sich schlechter gegen Krankheiten wehren, da ihnen die nötigen Abwehrstoffe fehlen. Ihre Vitalität leidet entsprechend stark. Forschung und Monitoring der letzten Jahre zeigen: Geschädigte Buchen erholen sich nur selten – ein Grossteil stirbt innerhalb weniger Jahre oder sogar rascher ab. Wie stark dies der Fall sein wird, muss weiter beobachtet werden. Das Waldbild wird sich markant verändern, mit voraussichtlich deutlich mehr Totholz – was wiederum zu einer erhöhten Waldbrandgefahr führen kann.

Was bedeutet das für die Waldfunktionen?

Bei vielen betroffenen Wäldern handelt es sich um Wirtschaftswald, welche bisher in erster Linie der Holzproduktion dienten. Es sind auch Schutzwälder betroffen, diese sollten Menschen und Infrastruktur vor Naturgefahren sichern – diese Funktionen werden mittel- oder längerfristig mindestens erschwert sicherzustellen sein. 

In Erholungswäldern ist die Funktion stark eingeschränkt, da das Verletzungsrisiko durch herunterfallende Baumteile erhöht ist. Bei stark besuchten Wäldern oder Werken im Wald ist ein längerer Aufenthalt mit erhöhtem Risiko behaftet.

Jeder, der sich in diesen Wäldern aufhält, sollte sich des erhöhten Risikos durch abbrechende Äste und umstürzende Bäume bewusst sein. 

Für die Biodiversität kann die Entwicklung teilweise auch eine Chance sein: Mehr Totholz und eine lichtere Waldstruktur schaffen Raum für andere Pflanzen- und Tierarten.

Wo besteht Handlungsbedarf?

Kurzfristig gilt es bei solchen Ereignissen, die Entwicklung zu beobachten. Sind Freizeitanlagen oder andere Infrastruktur durch absterbende Bäume gefährdet, können sie kurzfristig abgesperrt werden oder Sicherheitsholzereien durchgeführt werden. Diese führen aber nicht zu einer garantierten Sicherheit, sondern vermindern lediglich das Risiko. Es ist ausserdem nicht möglich, bei allen Infrastrukturen solche Holzereien zu tätigen, sei das aus zeitlichen oder auch anderen Gründen.
Mittelfristig kann Handlungsbedarf bei der Wiederbewaldung der Kahlflächen entstehen – etwa wenn die Naturverjüngung keine standort- oder klimataugliche Verjüngung hervorbringt. In diesem Fall können mit gezielten Ergänzungspflanzungen zukunftsfähige Baumarten eingebracht werden, was allerdings höhere Kosten für die Jungwaldpflege verursacht. Das Risiko, dass invasive Neophyten sich auf einer solchen Fläche ausbreiten, ist erhöht.
Langfristig geht es darum, den Wald an den Klimawandel anzupassen. Die Möglichkeiten dafür sind jedoch begrenzt: Damit die Auswirkungen nicht noch gravierender werden, muss der Klimawandel selbst gebremst werden.

Wie beeinflusst dieses Ereignis die Waldbrandgefahr?

Die Entstehung und die Ausbreitung eines Waldbrandes hängen von mehreren Faktoren ab:

  • dem Wetter (z.B. windstill oder windig)
  • dem Gelände aus (z.B. steil oder flach)
  • Der Menge und der Trockenheit des brennbaren Materials, dem sogenannten Brandgut

Zu Letzterem zählen nicht nur Bäume, sondern auch der Waldboden sowie Zweige und Laub. Je trockener und reichlicher das Brandgut vorhanden ist, desto leichter kann sich ein Feuer ausbreiten. Das jetzt abgeworfene Laub liefert zusätzliches, leicht brennbares Material und erhöht damit kurzfristig sowie lokal bis regional die Waldbrandgefahr. Längerfristig können auch abgestorbenes Astmaterial und Totholz die Gefahr erhöhen.

Was macht der Kanton Solothurn für die betroffenen Wälder?

Ziel ist ein stabiler, artenreicher Baumbestand, der sowohl erwartete als auch unerwartete Folgen des Klimawandels übersteht – damit der Wald seine vielfältigen Funktionen für Mensch und Natur auch künftig erfüllen kann. Für die Wiederbewaldung geschädigter Flächen erhalten Waldeigentümerinnen und -eigentümer seit 2019 Beiträge zum Schutz der Naturverjüngung sowie für Ergänzungspflanzungen. Dank Forschung und den Standortkenntnissen des Kantons stehen zudem waldbauliche Empfehlungen für den Klimawandel zur Verfügung, die 2025 aktualisiert wurden. Eine Herausforderung bleiben die höheren Kosten für Jungwald- und Schutzwaldpflege, an denen sich der Kanton ebenfalls beteiligt. Seit 2020 können Wald- und Werkeigentümer zudem Beiträge für Sicherheitsholzereien erhalten – wichtig für die sichere Nutzung von Erschliessungen wie Kantonsstrassen sowie für Waldbesucherinnen und -besucher bei Bauwerken im und am Wald. Der Kanton unterstützt ausserdem Forschungsprojekte und die langfristige Walddauerbeobachtung, die hilft, die Prozesse besser zu verstehen und wichtige Erkenntnisse für einen naturnahen Waldbau zu gewinnen. Der kantonale Forstdienst steht Waldeigentümerinnen und -eigentümern beratend zur Seite.

Ist es gefährlich, in den Wald zu gehen

Wer im Wald unterwegs ist, bewegt sich in der Natur – absolute Sicherheit gibt es dabei nie. Jede und jeder trägt hier eine gewisse Eigenverantwortung.

Empfehlungen: Seien Sie aufmerksam, besonders in Gebieten mit vielen absterbenden Bäumen. Meiden Sie den Wald bei Wind oder Gewitter. Betreten Sie abgesperrte Holzschläge nicht und befolgen Sie die Anweisungen des Forstpersonals unbedingt.

Achten Sie zudem auf dürre Bäume und abgestorbene Kronenteile – schauen Sie ab und zu nach oben. Meiden Sie stark geschädigte Bestände und halten Sie sich nicht darunter auf. Respektieren Sie Absperrungen und Hinweistafeln und meiden Sie den Wald bei stürmischem Wetter. Dies gilt nicht nur für die momentane Situation, es ist damit zu rechnen, dass dieser Zustand andauern wird, manchmal sichtbarer, manchmal weniger sichtbar.

Kontakt

Lea Jost
Tel. 032 627 23 45

 

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Abteilung Wald

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