Auf dem Notfall

Fast 90'000 Patientinnen und Patienten haben die drei Notfallstationen der Solothurner Spitäler AG (soH) im Jahr 2025 behandelt. Der Betrieb des Notfalls in der Nacht wird vom Kanton finanziell unterstützt. Warum ist das so? Und wie sieht der Alltag auf dem Notfall aus? Ein Augenschein vor Ort.
Ein normaler Wochentag morgens um 8 Uhr auf der Notfallstation im Bürgerspital Solothurn. Noch ist es ruhig. Von den 18 Behandlungsräumen sind nur zwei belegt. Eine ältere Frau ist gerade eingetroffen und wird in Empfang genommen. Sie wird nicht die Einzige bleiben. Den ganzen Tag über werden Menschen mit ganz unterschiedlichen Beschwerden auf den Notfall kommen. «Das reicht von der Patientin oder dem Patienten, der ein Arbeitsunfähigkeitszeugnis benötigt bis zum Herzstillstand mit Reanimation», sagt Dr. med. Cyrill Morger, Chefarzt Notfallmedizin am Bürgerspital Solothurn. Auch kuriose Fälle sehen er und die Mitarbeitenden jede Woche. «Jemand hat sich einmal statt Augentropfen versehentlich Sekundenkleber in die Augen verabreicht. Bei einem anderen Patienten steckte eine Fondue-Gabel im Handrücken.»
Immer mehr Menschen auf dem Notfall
Die Zahl der Patientinnen und Patienten auf den Notfallstationen der soH in Solothurn, Olten und Dornach nimmt stetig zu. Im Jahr 2025 waren es rund 87'600. Die Menschen gehen vermehrt direkt auf den Notfall, statt sich in einer Hausarztpraxis oder einer Apotheke helfen zu lassen. «Immer mehr Patientinnen und Patienten haben keinen Hausarzt. Viele suchen sich bei Beschwerden auch Rat im Internet und kommen dann besorgt auf den Notfall, um die Beschwerden abklären zu lassen.» Der Notfall ist 24 Stunden am Tag für die Bevölkerung geöffnet, 365 Tage im Jahr. Zu jeder Tages- und Nachtzeit stehen Ärztinnen und Ärzte und Pflegefachkräfte bereit, um den Menschen zu helfen. Allein auf dem Notfall im Bürgerspital Solothurn werden täglich um die 100 Patientinnen und Patienten behandelt. An Spitzentagen wie etwa über Weihnachten und Neujahr können es bis zu 170 sein.
Kanton stellt medizinische Notfallversorgung zu Randzeiten sicher
Damit die Bevölkerung rund um die Uhr auf dem Notfall versorgt wird, braucht es die finanzielle Unterstützung des Kantons. «In der Nacht gehen viel weniger Patientinnen und Patienten auf den Notfall. Trotzdem muss stehts Fachpersonal bereitstehen. Und es müssen nachgelagerte Einheiten wie Operationssäle oder Intensivpflegebetten betrieben werden», sagt Peter Eberhard, Leiter des Gesundheitsamts. Die Kosten für das in der Nacht notwendige Personal werden von der Krankenversicherung nicht genügend vergütet. Der Kanton Solothurn zahlt deshalb der soH diese ungedeckten Kosten – maximal 5,2 Millionen Franken pro Jahr. «Der durchgehende Betrieb der Notfallstationen ist für die medizinische Versorgung der Bevölkerung wichtig. Der Kanton hat die soH daher mit einem Leistungsauftrag verpflichtet, den Notfall in Solothurn, Olten und Dornach rund um die Uhr geöffnet zu haben. Im Gegenzug zahlt der Kanton die ungedeckten Kosten, die während der Nacht anfallen», erklärt Peter Eberhard.
Weitere Informationen
Informationen zum Notfallbetrieb der Solothurner Spitäler AG (soH):
Rund um die Uhr – Thema (Blog soH)
#7 - Notfall - mit Dr. med. Cyrill Morger | SO gesund (Podcast soH)
Informationen des Gesundheitsamts zu Spitälern und Klinken:
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