Täter und Patient

Katrin Bieber in der Justizvollzugsanstalt in Flumenthal

Katrin Bieber therapiert in der Justizvollzugsanstalt in Flumenthal Straftäter mit einer psychischen Störung. Oft sind dies Männer, die wegen einem schweren Gewalt- oder Sexualdelikt jahrelang im Gefängnis sitzen. Ein Einblick in einen verborgenen Teil der Gesellschaft.

«Meine Klienten sind einerseits Täter, andererseits Patienten», erzählt Katrin Bieber in ihrem Büro im Hochsicherheitsgefängnis. Täter, weil sie wegen schweren Delikten verurteilt wurden. Patienten, weil sie eine oder mehrere psychiatrische Störungen haben. «Das geht von schweren Persönlichkeitsstörungen über Schizophrenie bis zu Suchterkrankungen.»

Rückfallrisiko senken

Aufgrund der psychiatrischen Störung sitzen diese Menschen oft nicht nur eine lange Haftstrafe ab. Zusätzlich hat ihnen ein Gericht eine so genannte stationäre Massnahme verordnet – also eine Therapie in einer spezialisierten Einrichtung. Eine Therapie umfasst unter anderem wöchentliche Einzelsitzungen. Direkte Gespräche zwischen Katrin Bieber und dem Insassen mit einer klaren Zielsetzung. «Wir wollen, dass der Klient in Zukunft ein Leben führen kann, ohne erneut ein Delikt zu begehen», erklärt Katrin Bieber. «Wir klären, was hat der Patient für eine Störung, wie kann er damit umgehen und dafür sorgen, dass er keine Straftat mehr begeht.» Eine Therapie dauert meist mehrere Jahre. «Sie endet erst, wenn bestimmte therapeutische oder juristische Bedingungen erfüllt sind.»

«Ich unterstütze und konfrontiere»

Katrin Bieber bewegt sich in einem Spannungsfeld: einerseits psychisch kranke Menschen, die therapiert werden müssen. Andererseits auch Straftäter, die gefährlich sein können für die Gesellschaft. «Das ist eine tägliche Herausforderung. Ich soll die Leute in ihren Fähigkeiten unterstützen und stärken, sie aber auch mit ihren Taten konfrontieren. Ich zeige ihnen auf, dass sie eine Verantwortung tragen für ihre Tat und dazu beitragen können, dass so etwas nicht mehr passiert.» Dabei kann es auch zu heiklen Situationen kommen. «Richtig gefährlich wurde es bei mir persönlich zum Glück noch nie. Aber angespannt und bedrohlich. Ich sitze in meinem Büro den Leuten gegenüber. Die Aggressivität ist spürbar und kann auch verbal sein.»

Distanz aufbauen und abschalten

Katrin Bieber arbeitet seit zwölf Jahren in der Justizvollzugsanstalt in Flumenthal als Psychotherapeutin. Trotz dieser anspruchsvollen Aufgabe: Wenn sie am Abend nach Hause geht, kann sie gut abschalten. «Ich versuche eine Distanz aufzubauen und trotzdem nicht abgestumpft zu sein. Die Taten haben oft sehr viel Leid verursacht.» Aus diesem Grund hat Katrin Bieber bewusst eine Trennlinie gesetzt. In ihrer Praxis, die sie neben ihrer Anstellung in der JVA noch führt, betreut sie keine expliziten Gewaltopfer. «Ich habe mich entschlossen, mit Tätern zu arbeiten.»

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