Solothurn/Aare

Spätantike Römerbrücke

Vor dem Baustart für die neue SBB-Eisenbahnbrücke über die Aare bei Solothurn suchten Taucher im Auftrag der Kantonsarchäologie seit Frühjahr 2025 den Aaregrund wiederholt nach Spuren älterer Brücken ab. Aus älteren Fundmeldungen war bekannt, dass sich hier Pfähle befinden. So stecken nur wenige Meter flussaufwärts neben der Wengibrücke mehrere Pfähle noch immer fest im Boden: Rund zehn Meter vom Südufer entfernt verläuft eine knapp zwei Meter lange Pfahlreihe in Flussrichtung. Die Hölzer gehören wahrscheinlich zu einem Brückenpfeiler, einem sogenannten Pfahljoch, der den Oberbau mit der Fahrbahn trug. Die Taucher entnahmen Holzproben für eine Datierung. Nun liegen die Ergebnisse vor: Die Hölzer datieren ins vierte Jahrhundert und zeigen auf, an welcher Stelle sich im spätantiken Solothurn ein Brückenübergang befand.

In dieser Zeit wurde die römische Siedlung des ersten bis dritten Jahrhunderts in einen befestigten Ort, ein sogenanntes Castrum, umgestaltet. Die Brücke war Teil der antiken Fernstrasse, die von Italien über den Grossen St. Bernhard durch das westliche Mittelland und den Jura an den Rhein führte. Vor Solothurn fanden sich Reste dieser Strasse zwischen Büren an der Aare und Nennigkofen. Es ist kein Zufall, dass die römische Strasse gerade bei Solothurn die Aare überbrückte: Die flussaufwärts stark gewundene Aare wird hier in ein enges Bett gezwungen – ein idealer Ort also für einen Flussübergang. Auch der antike Ortsname bezieht sich auf diese Topografie: Salodurum ist die lateinische Form eines keltischen Flurnamens, der soviel wie Flussenge oder Wogentor bedeutet. 

Dass die Pfähle der spätrömischen Brücke nach rund 1700 Jahren noch immer im Aaregrund stecken, ist ein Glücksfall: Bei der Juragewässerkorrektion von 1969 wurde das Flussbett bei Solothurn nämlich grossflächig abgetieft. Im Schutze der Wengibrücke blieben dabei die Pfähle der spätrömischen Brücke stehen. 

Kantonsarchäologie

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