Seit Anfang August 2026 ist bekannt, dass sich ein neu entdecktes Virus aus der Familie der Orthobunyaviren bei Rindern ausbreitet, welches mit dem bereits bekannten Schmallenberg-Virus verwandt ist. Die ersten Krankheitsanzeichen bei Rindern wurden Anfang Juli von Landwirten und Tierärzten wahrgenommen. Seither hat sich das Virus beginnend in Frankreich, über den Jura bis nach St. Gallen ausgebreitet. Inzwischen sind auch in Deutschland Fälle bekannt geworden. Betroffen sind vorwiegend Milchkühe; Schafe, Ziegen und Mutterkühe zeigen offenbar kaum oder viel mildere Symptome.
Eine Impfung steht derzeit nicht zur Verfügung – das Virus wurde erst vor Kurzem erstmals in Europa nachgewiesen, zuvor war es nur in Afrika bekannt. Das Virus ist sehr nahe mit dem dort bekannten Shamonda-Virus verwandt, weshalb die Wissenschafter beim neu entdeckten Virus vom «Shamonda-like» Virus sprechen. Glücklicherweise verläuft die Erkrankung nach bisherigem Kenntnisstand in aller Regel nicht tödlich. Betroffen sind vor allem Kühe in Laktation. Sie zeigen Fieber und Durchfall, verbunden mit einem deutlichen Rückgang der Milchleistung und der Futteraufnahme. Bei vielen Tieren dauert es längere Zeit, bis sie wieder ihre ursprüngliche Milchleistung erreichen. Ob hohe Aussentemperaturen oder der Mangel an Futter die Erholungszeit zusätzlich verlängern, ist noch nicht bekannt.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den möglichen Auswirkungen auf die Trächtigkeit. Ähnlich wie beim Blauzungen- und Schmallenberg-Virus kann eine Infektion während eines bestimmten Zeitfensters der Trächtigkeit – insbesondere zwischen der 8. und 14. Trächtigkeitswoche – zu Missbildungen der Föten führen. Es kann derzeit auch beim Shamonda-like Virus nicht ausgeschlossen werden, dass es zu ähnlichen Folgen kommt. Erst im Herbst und Winter wird sich zeigen, ob und in welchem Ausmass tatsächlich Missbildungen bei Kälbern auftreten.
Das Shamonda-like Virus ist derzeit keine in der Tierseuchenverordnung gelistete Seuche. Dies erschwert insbesondere die rechtliche Grundlage für eine allfällige Übernahme von Untersuchungs- oder Verlustkosten. Aktuell werden die Untersuchungskosten noch vom Bund übernommen. Im Kanton Solothurn wird voraussichtlich bis im September Klarheit über das weitere Vorgehen bei allfälligen missgebildeten Neugeborenen vorliegen. Ziel ist es, einen abgestimmten Prozess für die Abklärung und den Umgang mit solchen Föten zu erarbeiten – in Abstimmung mit dem Vorgehen in den übrigen Kantonen und unter Berücksichtigung der verfügbaren diagnostischen Möglichkeiten.
Wenn Sie als Tierhalter/-in den Verdacht haben, dass Ihre Tiere am Shamonda-like Virus erkrankt sind oder wenn sie Fieber, Durchfall, einen Rückgang der Milchleistung, einen Abort oder andere Auffälligkeiten zeigen, werden Sie gebeten, umgehend Ihren Tierarzt / Ihre Tierärztin kontaktieren, welche/r die weiteren nötigen Schritte einleitet.
Bitte beachten Sie auch die weiterführenden Informationen des Bundes und des Rindergesundheitsdienstes:
IVI: Neues Orthobunyavirus der Simbu-Serogruppe bei Rindern entdeckt
BLV: Erkrankungen bei Rindern: Informationen des IVI und Empfehlungen
RGS: Fieberhafte Durchfallerkrankungen bei Milchkühen | RGS